End­lich Zeit für die Fami­lie? Seit Goo­g­les Robo-Auto träu­men Her­stel­ler vom auto­no­men Fah­ren. Bis dahin sol­len Assis­tenz­sys­te­me hel­fen. Die­se kön­nen zwar noch nicht allei­ne fah­ren, sol­len aber das Auto­fah­rer-Leben schon mal ein­fa­cher und siche­rer machen. Not­brems­sys­te­me, Spuras­sis­ten­ten oder auto­ma­ti­sches Ein­par­ken – immer auf­wän­di­ge­re High-Tech-Extras wer­den ange­bo­ten, und zwar zu erheb­li­chen Prei­sen. Was es alles gibt, wie die Gerä­te funk­tio­nie­ren und ob sich die Anschaf­fung lohnt, erfah­ren Sie hier.

Auto­no­mes Fah­ren

 

Der Traum vom autonomen Fahren

 

Tes­la-Fah­rer haben mehr vom Leben! Besit­zer des neu­en S Modells, das laut Her­stel­ler mit „Auto­pi­lot“ aus­ge­lie­fert wur­de, haben es vor­ge­macht: Sie stell­ten Vide­os ins Netz, auf denen sie wäh­rend der Auto­bahn­fahrt auf den Rück­sitz klet­ter­ten, oder ein Buch lasen! Dafür wur­de Tes­la abge­straft, denn die Assis­tenz­sys­te­me an Bord lie­fern mit­nich­ten auto­no­mes Fah­ren, son­dern ledig­lich pilo­tier­te Navi­ga­ti­on.

Der Unter­schied ist so zen­tral, dass er seit kur­zem Gesetz ist. Zwar dür­fen seit April 2016 Com­pu­ter selb­stän­dig neue Fahr­auf­ga­ben über­neh­men, aber nur unter Auf­sicht des Fah­rers, der sei­ne Hän­de zu jeder Zeit am Steu­er zu hal­ten hat. Und die Auf­merk­sam­keit auf der Stra­ße! Eine ande­re Nut­zung der digi­ta­len Hilfs­geis­ter ist ille­gal.

Den­noch, so die Ver­laut­ba­rung der Bun­des­re­gie­rung wei­ter, unter­stützt Deutsch­land die Visi­on eines auto­ma­ti­sier­ten Ver­kehrs. Eine Welt in der Fahr­zeu­ge auto­nom len­ken, Rase­rei und Alko­hol am Steu­er pas­sé sind und wir einem Ver­kehr ohne Todes­op­fer  ent­ge­gen­steu­ern. Bis 2035 soll auto­no­mes Fah­ren auf deut­schen Stra­ßen Wirk­lich­keit wer­den. Bis dahin kön­nen wir ver­fol­gen, wie die Ent­wick­lung bloß stück­wei­se wei­ter­geht -  zum Bei­spiel in Form der digi­ta­len Assis­ten­ten.

 

Die Welt der Assistenzsysteme in drei Teilen

 

Da die tech­ni­sche Ent­wick­lung im Bereich Assis­tenz­sys­te­me rapi­de ist, möch­ten wir in die­sem Bei­trag eine Über­sicht über die ver­schie­de­nen Bord­in­stru­men­te geben. Der Bei­trag ist in drei Tei­le geteilt.

In Teil 1 - Steu­ern und Brem­sen wol­len wir uns zunächst um alles küm­mern, was kon­kret mit Len­kung zu tun hat: Abstands- und Not­brems­sys­te­me, sowie Spur­wech­sel­as­sis­ten­ten.

In Teil 2 - Erken­nung von Ver­kehr und Umwelt wer­den Assis­ten­ten bespro­chen, die die Umge­bung des Fahr­zeugs abtas­ten, aber nicht selbst len­ken. Gemeint sind Spur­hal­teas­sis­ten­ten, Tem­po­li­mit-Kon­trol­le, Tot­win­kel-Alarm und Schein­wer­fer­sys­te­me.  

In Teil 3 - Spra­che und Ran­gie­ren wer­den dann wei­te­re High­lights wie Sprach­steue­rung und Rangier­hil­fen, sowie auto­ma­ti­sche Ein­park­hil­fen bespro­chen, und das gro­ße Fazit gezo­gen.

 

Technische Grundlagen: Radar und Kamera

 

Auto mit Sen­so­rik

Seit ESP (elek­tro­ni­sche Fahr­dy­na­mik­re­ge­lung) und dem Vor­läu­fer ABS ist com­pu­ter­ge­stütz­te Brems­tech­nik für Autos zum Stan­dard gewor­den. Inzwi­schen bie­ten Her­stel­ler wei­ter­füh­ren­de Sys­te­me an, die den Abstand zu ande­ren Fahr­zeu­gen und/oder Hin­der­nis­sen mes­sen und mit der eige­nen Geschwin­dig­keit abglei­chen kön­nen. Auf Grund­la­ge die­ser Daten kön­nen Gefah­ren errech­net wer­den. Der Com­pu­ter kann den Fah­rer war­nen, oder bei Bedarf auch allei­ne steu­ern, Gas geben oder brem­sen. Auch kön­nen Wit­te­rungs­ver­hält­nis­se gemes­sen wer­den und auf die „Ent­schei­dun­gen“ des Autos ein­wir­ken.

Wie wird das gemacht? Bei moder­nen Fahr­zeu­gen wird tech­nisch zumeist auf zwei Säu­len auf­ge­setzt. Zum einen wird die Stra­ße mit Radar­tech­nik gescannt, die­se Anla­gen sind (ähn­lich wie beim Par­kas­sis­tent) meist auf Höhe der Stoß­stan­ge ein­ge­las­sen. Zum ande­ren wer­den ein­ge­bau­te Kame­ras, oft auch in Ste­reo, ver­wen­det, die sich häu­fig in Höhe des Rück­spie­gels befin­den. So ver­misst das Auto stän­dig Objek­te und ihre Bewe­gun­gen und Geschwin­dig­kei­ten. Hin­zu kom­men Daten von einer Viel­zahl ande­rer Sen­so­ren, die zum Bei­spiel Tem­pe­ra­tur, Hel­lig­keit oder Näs­se fest­stel­len.

Und schon kann es los­ge­hen. Bei der Fahrt ste­hen dem Com­pu­ter lau­fend eine Viel­zahl von Daten zur Ver­fü­gung, um dar­auf auf­bau­end Vor­schlä­ge für ein bes­se­res Fahr­ver­hal­ten zu errech­nen, oder selbst in die Len­kung ein­zu­grei­fen.

Im fol­gen­den wer­den wir zunächst die Brems­sys­te­me in den Blick neh­men und dann die Steue­rung.

 

Assistenzsystem 1 : Der Abstandsregeltempomat (ACC)

 

Kom­mend von Pres­ti­ge-Model­len wird die­se Funk­ti­on inzwi­schen auch seri­en­mä­ßig in vie­len Mit­tel­klas­se­wa­gen ange­bo­ten, so zum Bei­spiel bei Vol­vo, Audi, VW und Lexus. Sie ist vor allem für das Fah­ren auf beleb­ten Auto­bah­nen oder Land­stra­ßen gedacht. In gewis­ser Hin­sicht han­delt es sich um die nächs­te Ent­wick­lungs­stu­fe des Tem­po­ma­ten. Der Fah­rer kann nicht nur das gewünsch­te Tem­po, son­dern auch den gewünsch­ten Fol­ge­ab­stand ange­ben. Das Fahr­zeug regelt dann selb­stän­dig die Geschwin­dig­keit nach und kann so im Ver­kehr „mit­schwim­men“. Vie­le Sys­te­me kön­nen aktiv oder pas­siv geschal­tet wer­den, so dass ent­we­der vor zu nahen Fahr­zeu­gen per Signal gewarnt wird, oder das Sys­tem selb­stän­dig bremst. Es han­delt sich also um eine rei­ne Kom­fort­funk­ti­on, nicht um ein Sicher­heits­mo­dul, wie zum Bei­spiel die Not­brems­funk­ti­on.

Wie hoch ist der Nut­zen? Die Gerä­te wer­den in ver­schie­de­nen Fahr­zeug­ty­pen unter­schied­lich getes­tet und kön­nen beson­ders für Auto­bahn-Viel­fah­rer nütz­lich sein und ein ange­neh­mes Fahr­ge­fühl erzeu­gen. Der ADAC ver­gibt im Test 3 von 5 Ster­nen in den Kate­go­ri­en Sicher­heits- und Kom­fort­ge­winn. Den­noch kann es, gera­de auf Land­stra­ßen, zu Fäl­len kom­men, in denen der Com­pu­ter Hin­der­nis­se nicht als sol­che erkennt und man schnell ein­grei­fen muss. Auch wer­den in vie­len Model­len eine zu trä­ge Beschleu­ni­gung kri­ti­siert – vor allem, wenn man es eilig hat.

 

Assistenzsystem 2: Notbremssysteme

 

Not­brems­sy­te­me gel­ten bereits heu­te als die effek­tivs­ten Assis­ten­ten, um Unfäl­le zu ver­hin­dern. Der posi­ti­ve Effekt die­ser Tech­nik wur­de von meh­re­ren Stu­di­en bewie­sen und die­se Art von Sys­te­men gehört seit 2015 zur gesetz­li­chen Pflicht bei Lkws. Sys­te­me die­ser Klas­se set­zen auf einer ähn­li­chen Scan-Tech­nik auf (Radar und Kame­ra), funk­tio­nie­ren aber grund­le­gend anders. Der Com­pu­ter über­wacht die Stra­ße nach Hin­der­nis­sen (z.B. Fuß­gän­gern oder ande­ren Wagen), warnt bei zu schnel­ler Annä­he­rung oder zu gerin­gem Abstand und lei­tet im Ernst­fall eigen­stän­dig eine Voll­brem­sung ein. Unter die­se Grup­pe fal­len auch soge­nann­te Auf­fahr­war­ner.

Wie hoch ist der Nut­zen? Gera­de im City-Bereich und Geschwin­dig­kei­ten unter 60km/h ist das extrem effek­tiv. Auch bei tota­ler Dun­kel­heit wur­den mit­un­ter sehr gute Ergeb­nis­se gemes­sen, das heißt Hin­der­nis­se wur­den erkannt, die für einen Fah­rer unsicht­bar gewe­sen wären.

 

Assistenzsystem 3: Spurwechselassistent

 

Hil­fe beim Spur­wech­sel

Die­se Appli­ka­ti­on führt noch wei­ter in Rich­tung fah­rer­lo­ses Fah­ren. Sie scannt das Umfeld des Wagens beim Spur­wech­sel, kann vor Fahr­zeu­gen war­nen und in vie­len Ober­klas­se­wa­gen auch selb­stän­dig Spur­wech­seln oder Über­ho­len. Zwar müs­sen die Hän­de immer in der Nähe des Steu­ers sein (sie­he oben), den Rest aber macht das Fahr­zeug allei­ne.

Wie hoch ist der Nut­zen? Im Test schnei­den die­se Hel­fer­lein recht unter­schied­lich ab und zum Teil auch schlecht ab. Zum Bei­spiel scheint es, gera­de bei schnel­len Wagen, immer noch schwie­rig zu sein, die Geschwin­dig­keit eines von hin­ten nahen­den Fahr­zeugs sicher und sou­ve­rän ein­zu­schät­zen. Auch tre­ten eini­ge Auto­pi­lo­ten etwas zu mutig in Akti­on, und schnei­den mit unter ande­re Fahr­zeu­ge im Ver­kehr. Gera­de kom­ple­xe­re Ver­kehrs­si­tua­tio­nen, schei­nen ein Pro­blem zu sein. So kann aus Kom­fort eine neue Form der Stress­be­las­tung wer­den, wenn der Fah­rer jede Bewe­gung des Fahr­zeu­ges akri­bisch über­wa­chen und im Not­fall ein­grei­fen muss. Assis­tenz­sys­te­me, die ver­ant­wor­tungs­vol­le Auf­ga­ben über­neh­men und dabei das Sicher­heits­ri­si­ko even­tu­ell sogar erhö­hen, müs­sen als kri­tisch gel­ten.

 

Und in Teil 2…

 

Im nächs­ten Teil wer­den unter der Über­schrift Erken­nung von Ver­kehr und Umwelt Assis­tenz­sys­te­me bespro­chen, die die Umge­bung des Fahr­zeugs abtas­ten und dar­auf auf­bau­end Hin­wei­se geben. Dabei sind ech­te High­lights wie auto­ma­ti­sche Tem­po­li­mit-Kon­trol­le und intel­li­gen­te Schein­wer­fer­sys­te­me, bevor wir in Teil 3 zum gro­ßen Fazit kom­men.