Autos mit Assis­tenz­sys­te­men kön­nen fast allei­ne fah­ren. Was ist bereits mög­lich? Und ohne wel­che Assis­tenz­sys­te­me kom­men wir schon bald nicht mehr aus? Unse­re Serie gibt einen Über­blick über die hei­ßes­ten Neu­ig­kei­ten auf dem umkämpf­ten Markt der Steue­rungs-Extras - und dar­über, ob sie ihr Geld wert sind…

Auto­no­mes Fah­ren

Wie nahe sind wir schon heu­te dem Traum vom auto­no­men Fah­ren? Und wel­che Assis­tenz­sys­te­me loh­nen sich wirk­lich? In die­sem Bei­trag geht es um das The­ma Erken­nung von Ver­kehr und Umwelt und wir wer­den alles über Fahr­spuras­sis­ten­ten, Tem­po­li­mit-Kon­trol­le, Tot­win­kel-Alarm und Schein­wer­fer­sys­te­me berich­ten. In Teil 1 wur­den bereits drei Assis­ten­ten-Typen zum The­ma Steu­ern und Brem­sen bespro­chen. Kom­men also zu den Nächs­ten:

Assistenzsystem 4: Fahrspurassistent

Auch die­se Assis­tenz­sys­te­me gel­ten laut Stu­die als volks­wirt­schaft­lich beson­ders sinn­voll. Denn kommt ein Auto von der Stra­ße ab, kommt es über­pro­por­tio­nal häu­fig zu einem schlim­men Unfall. Man geht davon aus, dass 40 Pro­zent die­ser Unfäl­le durch einen Fahr­spuras­sis­ten­ten ver­mie­den wer­den könn­ten, die den Fah­rer beim Über­fah­ren einer Linie war­nen. Bei Lkws sind sie schon seit 2015 Pflicht.

Wie hoch ist der Nut­zen? Zwei­fels­oh­ne ist ein Warn­ge­räusch beim Über­fah­ren einer durch­ge­zo­ge­nen Linie ein wich­ti­ger Sicher­heits­hin­weis, der Unfäl­le ver­hin­dern kann. Dies soll­te schon bald zum Stan­dard gehö­ren und kann bei gefähr­li­chem Sekun­den­schlaf hel­fen. Aller­dings kön­nen Gerä­te auch zu sen­si­bel ein­ge­stellt sein und durch stän­di­ges Klin­geln ner­ven, oder gar stö­ren, wenn es beim inten­dier­ten Spur­wech­sel plötz­lich läu­tet oder rüt­telt. Es ist wich­tig, sich mit den Ein­stel­lun­gen gut aus­zu­ken­nen und gefähr­lich, die­se bei der Fahrt zu ändern. Auch kann es sein, dass der Sen­sor eine Linie nicht als durch­ge­zo­gen erkennt. Eine stän­di­ge Kon­trol­le, vor allem bei Bau­stel­len, ist des­halb not­wen­dig.

Assistenzsystem 5: Tempolimit-Kontrolle

Gekop­pelt an die in Teil 1 beschrie­be­nen Sen­so­rik, erken­nen die­se Sys­te­me durch das Scan­nen der Ver­kehrs­schil­der die vor­ge­ge­be­ne Höchst­ge­schwin­dig­keit. Anschlie­ßend kann die­se ange­zeigt und bei Bedarf gewarnt wer­den. Oder das Auto bremst, wenn eine sol­che Funk­ti­on ähn­lich dem Abstands­re­gel­tem­po­mat akti­viert ist, selb­stän­dig ab.

Wie nütz­lich ist das? Test­be­rich­te spre­chen hier von soli­den Leis­tun­gen, jedoch gilt für die Tech­no­lo­gie im Prin­zip ähn­li­ches, wie für die Spuras­sis­ten­ten: Aus­nah­men gibt es eini­ge. Zum Bei­spiel bei Bau­stel­len an denen pro­vi­so­ri­sche Schil­der auf­ge­stellt oder die gel­ten­den Hin­wei­se durch­ge­stri­chen wur­den. Auch kommt es gern zu dem Feh­ler, dass das Schild eines Zubrin­gers oder einer Auf­fahrt abge­le­sen wird, auf der häu­fig eine nied­ri­ge­re Geschwin­dig­keit vor­ge­ge­ben ist. Ein plötz­li­ches Abbrem­sen an sol­cher Stel­le kann erheb­li­ches Gefah­ren­po­ten­ti­al ber­gen.

Tem­po-Kon­trol­le im Zukunfts­look

Assistenzsystem 6: Totwinkel-Alarm

Sen­so­ren hel­fen das Umfeld des Wagens im Auge zu behal­ten und unter­stüt­zen den Fah­rer bei kom­ple­xen Manö­vern, zum Bei­spiel dem Spur­wech­sel auf der Auto­bahn oder ande­ren viel befah­re­nen Stra­ßen. Was einem in der Fahr­schu­le als “Schul­ter­blick” ein­ge­bläut wird, näm­lich das Abprü­fen des soge­nann­ten “toten Win­kels” am Auto, der weder vom Sei­ten- noch vom Rück­spie­gel erfasst wird, kann so von Hilfs­soft­ware abge­deckt wer­den.

Wie nütz­lich ist das? Ziem­lich, denn immer­hin wer­den in Deutsch­land jedes Jahr um die 10.000 Unfäl­le ver­zeich­net, die auf die­se Art von Feh­lern zurück­zu­füh­ren sind. Bei der Beur­tei­lung ver­schie­de­ner Tot­win­kel­war­ner liegt aber der Teu­fel im Detail. Zum Bei­spiel ist zu beach­ten, dass bei Schnee oder star­kem Regen eini­ge Sys­te­me in die Knie gehen - wenn auch vie­le bei Dun­kel­heit unein­ge­schränkt arbei­ten. Auch muss gefragt wer­den, ab wel­cher Distanz die Sen­so­ren nahen­de Fahr­zeu­ge erken­nen. Eini­ge war­nen erst, wenn ein Fahr­zeug direkt in den Gefah­ren­be­reich ein­dringt - was bei einer zügi­gen Auto­bahn­fahrt zu spät ist. Bes­se­re Sys­te­me scan­nen bis zu 60 Meter nach hin­ten. Vie­le lie­gen irgend­wo dazwi­schen. Die bes­ten Test­be­rich­te haben momen­tan BMW, gefolgt von Audi, VW und Vol­vo.

Assistenzsystem 7: Scheinwerfersysteme

Bei die­ser Tech­no­lo­gie, die seit eini­gen Jah­ren ange­bo­ten wird, passt der Com­pu­ter die Eigen­schaf­ten der Fahr­zeug­schein­wer­fer an die gemes­se­ne Fahr­si­tua­ti­on an. Nebel, Dun­kel­heit, Kur­ven: jeweils ver­än­dern sich Streu­ung, Bün­de­lung, Schwenk­win­kel und Leis­tung der Lam­pen, um eine idea­le Aus­leuch­tung zu errei­chen.

Wie nütz­lich ist das? Der ADAC tes­te­te unlängst die wich­tigs­ten Fahr­zeug­ty­pen und ihre Leucht­sys­te­me und kam zu dem Schluss, dass die meis­ten als posi­tiv zu bewer­ten sind. Der Fah­rer hat, gera­de bei schwie­ri­gen Fahr­si­tua­tio­nen, kla­re Vor­tei­le. Ob dadurch even­tu­el­le Zusatz­kos­ten gerecht­fer­tigt sind, sei dahin­ge­stellt. Zumin­dest tau­chen sie in den Stu­di­en zur Unfall­ver­mei­dung nicht so weit vor­ne auf, wie zum Bei­spiel Not­brems­sys­te­me, die bei Dun­kel­heit Leben ret­ten, oder Spuras­sis­ten­ten.

Im nächsten Teil…

…stel­len wir die brand­hei­ßen Neu­ig­kei­ten der IAA im Bereich Assis­tenz­sys­te­me vor und bespre­chen unter ande­rem das span­nen­de The­ma Sprach­steue­rung. Dann kommt es zum Fina­le: dem gro­ßen Nütz­lich­keits-Fazit.  

Bis­her erschie­nen:

Teil 1 - Steu­ern und Brem­sen: Tech­ni­sche Grund­la­gen, Spuras­sis­ten­ten und vie­les mehr.