Auf den ersten Blick kaum vom Original zu unterscheiden. Aber falsche KFZ-Teile besitzen schlechte Qualität und können zur echten Gefahr werden.

Gefälschte KFZ-Teile sind ein Milliardengeschäft für Produktpiraten. Doch dieses Geschäft geht zu Kosten von Leib und Leben vieler tausend Autofahrer in Deutschland. Denn wer bei Verschleißteilen billige Kopien statt Originalware verbaut, kann sich schnell in Gefahr sparen. Professionelle Werkstätten werden ihren Kunden immer vom Einbau billiger Fälschungen abraten und für sie Originale vom Zulieferer oder Hersteller bestellen.

Gefälscht wird, was gefälscht werden kann

Billige Fake-Produkte, die aussehen wie das Original kennen wir alle. Wer erinnert sich nicht an Urlaube in Asien oder Nordafrika, wo öffentliche Märkte angefüllt sind mit Markenprodukten, die einfach zu billig sind, um wahr zu sein. Doch eine gefälschte Gucci-Hose verletzt vielleicht das Markenrecht, gefährlich aber wird es hier höchstens für die Umsätze des Mode-Unternehmens. Anders sieht es schon aus, wenn Autoteile gefälscht werden und ihren Weg in ein scheinbar verkehrssicheres Fahrzeug finden. Versagen hier die minderwertigen Plagiate, können teure Schäden am Wagen und im schlimmsten Fall gefährliche Verkehrsunfälle verursacht werden.

Gefälschte KFZ-Ersatzteile sind gefährlich

Auch wenn Plagiate oft zum Verwechseln ähnlich sind, bedeutet das nicht, dass sie von gleicher Qualität wie Originale sind. Bei einigen Teilen führt das im besten Fall nur zu Ärger und Mehrkosten. Schließlich nutzen sich die billigen Plagiate schneller ab und es muss rasch Ersatz her. Ersatzteile wie Felgen oder Bremsbeläge aber bergen ein gewaltiges Sicherheitsrisiko, wenn sie mangelhaft produziert sind.

Nicht selten bestehen kopierte Bremsbeläge aus einer Mixtur billiger Resteverwertung, die sich bei entsprechender Beanspruchung einfach auflösen. Wie groß das Risiko für das eigene Leben, das Leben der Mitfahrer und anderer Verkehrsteilnehmer ist, versteht sich von selbst. Die Verkehrssicherheitsbehörde der USA testete sogar bereits die Gefahren von gefälschten Airbags. Der Zündmechanismus war hier mit Schwarzpulver versetzt und explodierte beim Aufprall wie ein Silvesterböller. Hier ein Video des Tests bei der Washington Post.

Viele kaufen bewusst Produktfälschungen

Eine große Verbraucherumfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young führt auf, dass sich ein großer Teil der Käufer (55 %) bewusst für eine billige Fälschung entscheiden, um Geld zu sparen. Beim Kauf von KFZ-Teilen gehen Kunden also oft kein versehentliches sondern ein bewusstes Risiko ein. Doch es ist falsch zu glauben, dass die deutlich günstigeren Produktfälschungen genauso gut sind wie Originale. Diese Fälschungen sind keine günstigen Alternativen. Sondern bestellte Sicherheitsrisiken.

Gefälschte Autoteile können zu teuren KFZ-Schäden und Unfällen führen.

Diese KFZ-Teile werden am häufigsten gefälscht

Das Angebot der Produktpiraten ist breit gefächert. Am liebsten fälschen sie Teile wie Radfelgen, Scheinwerfer, Zündkerzen, Bremsbeläge oder Filter. Zum größten Teil werden die Fälschungen in Asien gefertigt, wo die Verfolgung der Produzenten von Rechtswegen schwierig bis unmöglich ist. In vielen Ländern ist das Patentrecht oder der Markenschutz längst nicht so ausgeprägt und umfangreich wie in der EU. Die gefälschten Ersatzteile gelangen anschließend über normalen Paketversand oder über große Containerlieferungen nach Deutschland und Europa. Zwar werden immer wieder Lieferungen an den entsprechenden Punkten vom Zoll abgefangen. Doch die schiere Masse an versendeten Plagiaten überfordert alle Kontrollen.

Fälschungen im Internet und sogar auf Messen

Die meisten Plagiate von Autoteilen werden über das Internet angeboten und verkauft. Immer mal wieder aber werden sogar Fälschungen auf großen Messen angeboten. Wie hier auf der Tuning World Bodensee 2015. Auch bei Messen sind die Behörden beinahe vollkommen machtlos, da Kontrollen eben nur stichpunktartig durchgeführt werden können und der Löwenanteil der Plagiate unentdeckt bleibt.

Wie Kunden gefälschte Ersatzteile erkennen

In den meisten Fällen entlarvt sich ein gefälschtes Ersatzteil bereits am viel zu niedrigen Preis, einer offensichtlich gefälschten Produktverpackung oder fehlenden Dokumenten.

Bevor Autofahrer sich irgendwo ein vermeintlich neues Originalteil besorgen, sollten sie sich informieren, was die gängige Preisspanne für das gesuchte Ersatzteil ist. Mit diesem Wissen im Hinterkopf fallen auffällig billige Angebote auch dem Laien schnell auf. Zusätzlich kann man sich natürlich beim Anbieter erkundigen, wie die günstigen Preise zustande kommen. Sind die Antworten hier unglaubwürdig, ausweichend oder ausbleibend, ist das Angebot wohl tatsächlich zu schön um wahr zu sein.

Ein wenig aufwendiger aber oft nützlich ist die Kontrolle in den Katalogen der Hersteller. Hier können Kunden recherchieren, welche Produkte der entsprechende Hersteller tatsächlich für das eigene Fahrzeug anbietet. Vergleicht man dann die Produktangaben des Herstellers mit denen auf dem zu prüfenden Online-Angebot lassen sich oft Ungereimtheiten feststellen. Besonders auffällig wird es natürlich dann, wenn der Hersteller gar keine Verschleißteile für das eigene Auto herstellt und es sich also einwandfrei um ein Plagiat handeln muss.

Teilegutachten und Allgemeine Betriebserlaubnis sind bei zugelassenen Teilen Pflicht und sollten nicht fehlen, bzw. auch auf eventuelle Anzeichen einer Fälschung kontrolliert werden (Qualität des Drucks, Papier, Rechtschreibung, etc.)
Im Zweifelsfall sind Kunden von verdächtiger Ware gut beraten, sich direkt an den (vermeintlichen) Hersteller zu richten. Besonders namhafte Hersteller bieten Info-Hotlines an. Sachkundige Mitarbeiter helfen hier beim Erkennen gefälschter Ersatzteile.

Mit dem DataMatrix-Code der Initiative MAPP lassen sich per Klick Fälschungen entlarven.

Was tun Hersteller gegen Plagiate von KFZ-Ersatzteilen?

Verschleißteile werden besonders häufig kopiert, da sie oft ersetzt werden müssen und hier höhere Umsätze erzielt werden können. Für die Hersteller der Originalteile steht neben sinkenden Verkäufen auch das Image auf dem Spiel. Mit mangelnder Qualität verbunden zu werden, kann sich im hart umkämpften KFZ-Teile-Markt niemand leisten. Aus diesem Grund leisten sich viele Unternehmen eigene Crime-Units, in denen Mitarbeiter im Netz (bspw. auf eBay, Amazon, etc.), auf Märkten oder Messen auf Fälscher-Jagd gehen.

Hersteller schützen KFZ-Teile mit Siegel und Codes

Viele namhafte Originalteile-Hersteller setzen auf besondere Zahlen-Codes, Hologram-Drucke oder individuelle Prägungen auf ihren Produktverpackungen. Diese schwer zu fälschenden Details sollen den Produktpiraten das Leben schwer machen sowie Händler und Endverbraucher vor Fälschungen schützen.

Einige Branchenriesen haben sich zusätzlich zu einer gemeinsamen Initiative zusammengeschlossen. “Manufacturers against Product Piracy” (MAPP) heißt dieses Konzept, in dessen Rahmen Verpackungen mit einem zusätzlichen Code (DataMatrix-Code) versehen werden. Per App oder Website können die einzigartigen Identifikations-Codes abgefragt und einzelne Produkte eindeutig identifizieren werden.

Weitere Folgen: TÜV kann Plakette verweigern

Falsche KFZ-Teile führen nicht nur zu hohen Einbußen und Ärger in der Industrie. Auch für KFZ-Halter kann es unangenehm werden. Denn beim Einbau eines nicht genehmigten Autoteils erlischt die Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE), womit die Plakette bei der nächsten Hauptuntersuchung ausbleibt.

Werden nicht zugelassene KFZ-Teile gefunden, kann ein Fahrzeug durch die Hauptuntersuchung fallen.

Erlischt bei Plagiaten im Auto auch der Versicherungsschutz?

Es ist eher unwahrscheinlich, dass ein durch ein gefälschtes Autoteil verursachter Schaden nicht in den Versicherungsschutz fällt. Dazu müsste nämlich ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Unfall und Teil hergestellt werden. Was wiederum ein aufwendiges Gutachten erfordert. Ist die Regulierung des Schadens geringer als die Kosten eines eventuellen Gutachtens, wird vermutlich auch kein Gutachten hergestellt. Falls aber ein Zusammenhang eindeutig ist, haftet der KFZ-Halter mit den nicht zugelassenen Fahrzeugteilen.

Mögliche Strafen bei Verstoß gegen Markenrecht

In Deutschland ist der Erwerb von gefälschten Produkten nicht verboten, wenn diese auch im eigenen Besitz bleiben. Lediglich der Weiterverkauf wird strafbar. Im europäischen Ausland sieht das aber schon anders aus. So können bei Käufen von Plagiaten in anderen Ländern drastische Geldbußen folgen.

Autohersteller produzieren nur rund 20 Prozent ihrer Teile selbst. Der Großteil kommt von Zulieferern, von denen auch Endkunden kaufen dürfen.

Günstige und qualitative Ersatzteile direkt vom Zulieferer

Sparer, Werkstätten und Händler können Original-Ersatzteile auch direkt vom Zulieferer kaufen. Hintergrund: Die Versorgung mit KFZ-Teilen und Verschleißteilen ist für Autohersteller ein sehr lukratives Geschäft. Allerdings sind sie in den seltensten Fällen auch die Hersteller dieser Teile. Zulieferer stellen diese Originalteile her und dürfen sie auch selbst vertreiben, und das zum Vorteil der Endkunden. Schließlich bieten die Zulieferer Verschleißteile oft günstiger an als die großen Autohersteller.

Autohersteller produzieren nur ungefähr ein Viertel ihrer Teile selbst. Den Rest beziehen sie von so genannten Zulieferern, die damit praktisch die Originalteile der Autohersteller anfertigen.

In seltenen Fällen: generalüberholte Austauschteile

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die KFZ-Werkstatt nach generalüberholten Ersatzteilen zu fragen. Bei einer Generalüberholung werden verschlissene Bauteile wie z. B. Lager, Regler, Kohlen, Läufer, Dioden, Schleifringe, etc. ausgetauscht und das Teil damit wieder betriebsfähig gemacht. Die Gewährleistung sollte dann der eines fabrikneuen Ersatzteils entsprechen.

Fazit: Vertraue bei Originalen auf Deine professionelle KFZ-Werkstatt

Am besten vertrauen Autofahrer auf original KFZ-Teile, die sie über eine professionelle Autowerkstatt beziehen. Profi-Werkstätten in Deiner Nähe findest Du natürlich ganz einfach in unserer Werkstattsuche.