Herbst­zeit - Wech­sel­zeit. Der Win­ter kommt, Zeit für den Rei­fen­wech­sel. Faust­re­gel: Von O bis O, von Ostern bis Okto­ber ist Som­mer­rei­fen­zeit, danach wer­den die Win­ter­rei­fen auf­ge­zo­gen. Das heißt Som­mer­rä­der run­ter und Win­ter­rä­der drauf. Nur die Räder? Ver­mut­lich. Aber wenn die Räder schon mal ab sind und das Fahr­zeug auf der Hebe­büh­ne steht, dann ist das eine sehr gute Gele­gen­heit zu einer Dämp­fer­prü­fung. Dies setzt den Blick auf die Stoß­dämp­fer und die Federn frei, denn deren War­tung wird meist ver­nach­läs­sigt und eine bes­se­re Mög­lich­keit gibt es fast nicht die Stoß­dämp­fer zu prü­fen.

Die Stoß­dämp­fer sind sicher­heits­re­le­van­te Bau­tei­le und ver­die­nen mehr Beach­tung.

Dämpfer verschleißen schleichend

Defek­te Stoß­dämp­fer, das ist eine Gefahr, die per­ma­nent unter­schätzt wird. Stoß­dämp­fer und Federn sind Ver­schleiß­tei­le, die lang­sam und ste­tig in ihrer Wir­kung nach­las­sen. Nicht so wie ein Motor, der mehr oder weni­ger uner­war­tet aber doch plötz­lich sei­nen Geist auf­ge­ben kann, so geben Stoß­dämp­fer schlei­chend und für den Fah­rer unmerk­lich ihre Funk­ti­on auf. Stoß­dämp­fer sol­len Schwin­gun­gen der Federn dämp­fen - wes­we­gen die Bezeich­nung Schwin­gungs­dämp­fer deut­lich ange­brach­ter wäre. Die­se Wir­kung ver­lie­ren sie aber mit der Zeit durch Undich­tig­kei­ten im Dämp­fer­sys­tem. Aus­tre­ten­des Öl ist meis­tens ein Zei­chen dafür, dass der Dämp­fer völ­lig am Ende ist. Der TÜV beur­teilt das dann als „erheb­li­chen Man­gel“ und ver­wei­gert die Pla­ket­te.

Stoß­dämp­fer kon­trol­lie­ren und repa­rie­ren las­sen in Ihrer Nähe: Jetzt Ter­min ver­ein­ba­ren!

Defekte Dämpfer als Unfallursache

Die Kon­se­quen­zen defek­ter Stoß­dämp­fer kön­nen viel­fäl­tig sein. Da sich die­ser Feh­ler schlei­chend fort­setzt, sind mehr Autos betrof­fen, als gemein­hin ange­nom­men wird. Gro­ße Dämp­fer­her­stel­ler wis­sen das und haben Unter­su­chun­gen in Werk­stät­ten ange­strengt. So ergab eine Unter­su­chung des welt­größ­ten Dämp­fer­pro­du­zen­ten aus Japan KYB Kaya­ba in Kfz-Werk­stät­ten bei 3.065 Pkw, dass 22 Pro­zent mit defek­ten Stoß­dämp­fern unter­wegs waren. Und eine Stu­die des Insti­tuts für Ver­kehr und Umwelt über Unfäl­le bei 10 Jah­re alten Pkw oder sol­chen mit 150.000 km Lauf­leis­tung stellt fest, das 50 Pro­zent durch schlaf­fe Dämp­fer zumin­dest mit ver­ur­sacht wur­den.

Defek­te Dämp­fer sind wie eine rol­len­de Zeit­bom­be: 22 Pro­zent der über­prüf­ten Autos waren mit schlaf­fen Dämp­fern unter­wegs.

Risiko 1: Verlängerter Bremsweg

So wis­sen die Auto­fah­rer, die in einem Auto mit defek­ten Dämp­fern sit­zen, oft nicht, in wel­cher Gefahr sie sich befin­den. Tests durch den TÜV haben erge­ben, dass sich der Brems­weg dadurch um enor­me 20 Pro­zent ver­län­gern kann. Schlaf­fe Dämp­fer kön­nen bei Tem­po 80 den Brems­weg bis zu 6 Meter ver­län­gern. Der Grund liegt dar­in, das ein schwa­cher Dämp­fer das Rad wäh­rend des Brems­vor­gan­ges nicht am Boden hal­ten kann, weil das Rad immer nach­fe­dert. Wenn die Boden­haf­tung nicht dau­ernd vor­han­den und das Rad für Sekun­den­bruch­tei­le schwebt, wird der Brems­weg län­ger und län­ger. Das ist nicht alles: Auch ABS und ESP kön­nen so nicht mehr rich­tig funk­tio­nie­ren, wenn die Räder zu wenig Boden­kon­takt haben.

Risiko 2: Reifen werden beschädigt

Die man­geln­de Funk­ti­on der Stoß­dämp­fer wirkt sich zudem auf ande­re Fahr­zeug­tei­le aus. Vor allem die Rei­fen kom­men hier in Mit­lei­den­schaft. Weil das Rad nach jeder Uneben­heit nicht zur Ruhe kommt, son­dern wenig gedämpft wei­ter federt und springt, wird das Pro­fil um so mehr gera­de­zu weg­ra­diert. Der Fach­mann kann aller­dings die­se Aus­wir­kung defek­ter Stoß­dämp­fer am unein­heit­li­chen Abrieb­bild des Rei­fen­pro­fils sehen. Des­halb beginnt die Dämp­fer­prü­fung schon mit einem Blick auf das Rei­fen­pro­fil. Für den­je­ni­gen aller­dings, der län­ger mit abge­nutz­ten Dämp­fern fährt, ist das ein teu­res Ver­gnü­gen. Denn defek­te Dämp­fer kön­nen die Lauf­leis­tung bis zu 25 Pro­zent min­dern.

Risiko 3: Schleudergefahr wegen defekter Dämpfer

Das ist nicht alles. So setzt auch Aqua­pla­ning frü­her ein. Defek­te Dämp­fer wer­den zum ech­ten Sicher­heits­ri­si­ko bei mehr oder weni­ger hek­ti­schen Lenk­be­we­gun­gen, wie sie bei Aus­weich­ma­nö­vern oder Kur­ven­fahrt schon mal nötig wer­den kön­nen. Je nach Geschwin­dig­keit und Bela­dung kann es hier zu gefähr­li­chen Situa­tio­nen kom­men. Das Fahr­zeug schau­kelt sich gefähr­lich auf, bricht schnel­ler aus und ist schwie­ri­ger unter Kon­trol­le zu bekom­men. Wert­vol­le Meter kön­nen so ver­lo­ren gehen, die sogar über Leben und Tod ent­schei­den kön­nen.

Regelmäßige Dämpferprüfung

So gibt es Grund genug, zumin­dest in län­ge­ren Abstän­den, aber regel­mä­ßig die Stoß­dämp­fer und Federn über­prü­fen las­sen. Die DEKRA etwa emp­fiehlt Auto­fah­rern ab einer Lauf­leis­tung von etwa 80.000 km eine Dämp­fer­prü­fung alle 20.000 km durch­füh­ren zu las­sen. Das geht bei einer Inspek­ti­on, aber auch beim sai­so­na­len Rei­fen­wech­sel, wenn doch die Räder schon mal ab sind. Mög­lich ist eine Sicht­prü­fung, aber auch ein Funk­ti­ons­test mit ent­spre­chen­den Test­ge­rä­ten. Der Ersatz soll­te min­des­tens paar­wei­se, am bes­ten aber rund­um erfol­gen.

Tipp: Auf Gasdruck-Stoßdämpfer umsteigen

Sind noch älte­re Öldruck­dämp­fer ver­baut, so bie­tet sich die Chan­ce beim Wech­sel auf höher­wer­ti­ge Gas­druck-Stoß­dämp­fer umzu­stei­gen. Bes­se­res Fahr­ver­hal­ten, mehr Kom­fort und Sicher­heit sind die Fol­ge.