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Der Klassiker schlechthin aus dem Hause Jeep ist und bleibt selbstverständlich der Willys MB. Der während des Zweiten Weltkriegs für die US-Army entwickelte Offroader gilt als Urahn sämtlicher Geländewagen. Ebenso Pionierarbeit hat der Grand Cherokee geleistet. Er war eines der ersten US-SUVs, welche in Deutschland angeboten wurden, lange bevor solche hubraumstarken Riesengefährte hierzulande beliebt wurden. Nun geht die inzwischen vierte Generation optisch sowie technisch überarbeitet an den Start. Schafft es der Grand Cherokee ein Klassiker zu werden?

Wichtigste Änderung ist ein erneuertes Getriebe: Kamen im Grand Cherokee bislang Automatikgetriebe mit fünf und sechs Stufen zum Einsatz, wird die Kraft in Zukunft in allen Modellen über einen Achtgang-Automaten übertragen. Das Getriebe aus dem Hause ZF hat seine Bewährungsprobe bereits hinter sich und erfreut sich bei Herstellern wie Audi, BMW, Porsche oder Jaguar großer Beliebtheit. Daher konnte Jeep beim Zukauf eigentlich kaum etwas falsch machen – und entsprechend überzeugend vollstreckt die Achtgang-Automatik im Grand Cherokee ihre Arbeit. Die Gangwechsel sind zügig, butterweich und stets zur rechten Zeit. Wer will, kann über Paddles am Lenkrad ebenso manuell schalten. Das mag beim sportlichen SRT mit 6,4-Liter-V8 und 468 PS Sinn machen, beim relaxten Dreiliter-Turbodiesel mit 250 PS ist es kaum erforderlich. Außer gesteigertem Fahrkomfort bringt das neue Automatikgetriebe einen zusätzlichen Vorteil: geringere Verbrauchswerte. Im Verhältnis zum Vorgänger soll die Ersparnis bis zu zehn Prozent betragen. Beim Diesel beispielsweise sank der Normverbrauch von 8,3 auf 7,5 Liter. In der Praxis sollte jedoch selbst bei dezenter Fahrweise mit einer Neun vor dem Komma kalkuliert werden.

Die besonders für den heimischen US-Markt wichtigen Benzinmotoren (3,6-Liter-V6 mit 286 PS, 5,7-Liter-V8 mit 352 PS und der erwähnte 6,4-Liter-V8 mit 468 PS) dürften hierzulande weiterhin keine große Rolle spielen. Umso interessanter ist es, dass der bisher ausschließlich in Europa verfügbare Sechszylinder-Selbstzünder künftig auch in der Diesel-Diaspora USA angeboten wird. Bei uns ist der von der Konzernmutter Fiat stammende 3.0 V6 MultiJet in Leistungsstufen mit 190 und 250 PS erhältlich. Die stärkere Variante hat dadurch um neun Pferdestärken zugelegt, das maximale Drehmoment ist von 550 auf 570 Newtonmeter angestiegen. Mit diesem Diesel ist das immerhin knapp 2,5 Megagramm schwere Gefährt absolut angemessen motorisiert. Das nicht laute, aber unter Volllast wohltuend kernige Aggregat sorgt stets für guten Durchzug. In 8,2 Sekunden geht’s von null auf Tempo 100, maximal sind 202 km/h drin.

In den höheren Ausstattungsvarianten ist der Grand Cherokee mit einer Luftfederung bestückt. Auf diese Weise liegt das Auto auf der Straße, wie man das von einem Ami-SUV erwartet: als gemütlich-komfortables Dickschiff, das ordentlich schaukelt und wankt. Das weiche Fahrwerk bügelt einerseits Bodenwellen fabelhaft aus, Querfugen schlagen andererseits umso stärker durch. Gelenkt wird über ein großes Volant, welches gut in der Hand liegt. Ähnlich wie Range Rover legt auch Jeep großen Wert darauf, dass seine SUVs richtige Geländegänger sind. Beim Grand Cherokee kann in Kombination mit der Luftfederung die Bodenfreiheit auf bis zu 28 Zentimeter gesteigert werden. Als zusätzliche Helferlein für den Einsatz in unwegsamem Gelände dienen eine Geländeuntersetzung, die Traktionsregelung Selec-Terrain mit fünf unterschiedlichen Fahrprogrammen (Sand, Matsch, Schnee, Fels und Automatik) sowie ein Berganfahr- und ein Bergabfahrassistent. Der Allradantrieb ist serienmäßig. Für den großen Diesel stehen abhängig von der Ausstattungslinie zwei Systeme zur Auswahl: Quadra-Trac II mit veränderlicher Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse sowie Quadra-Drive II, welches zusätzlich über ein elektronisch geregeltes Hinterachs-Sperrdifferenzial verfügt.

Im Cockpit ersetzt eine farbige und bequem ablesbare LCD-Anzeige die klassischen Rundinstrumente. Außer dem Tacho und dem Drehzahlmesser lassen sich hier auch die Daten des Bordcomputers, Navigationshinweise oder Infos zu den Selec-Terrain-Programmen anzeigen. Außerdem findet im Grand Cherokee ein neues, von Harman/Kardon entwickeltes Infotainment- und Navigationssystem Verwendung. Bedient wird es über einen 8,4-Zoll-Touchscreen, doch die Bedienung zeigt sich als nicht immer ganz logisch. Zudem wäre es zweckmäßiger, Funktionen wie die Sitzheizung nicht auch noch in dieses System zu integrieren. Das Interieur wird nun durch dunkel lackierte Zierleisten aus Holz aufgehübscht. Sie können aber nicht darüber hinweg täuschen, dass der Innenraum alles in allem einen etwas lieblosen und vor allem wenig wertigen Eindruck hinterlässt. Die Kunststoffelemente, welche ohnehin zu viel Platz in der Armaturentafel einnehmen, sehen recht billig aus, die Lederbezüge der Sitze nach Kunstleder. Kein Mangel herrscht im Grand Cherokee dagegen beim Platzangebot. Das gilt für Fahrer und Beifahrer genauso wie für bis zu drei Passagiere im Fond. Das Fassungsvermögen des Kofferraums beträgt ordentliche 782 bis 1 554 Liter.

Das mit dem Start der vierten Generation beinahe schon revolutionierte Außendesign des Grand Cherokee wurde im Rahmen des Facelifts nur bedächtig angetastet. Auffälligste Änderung ist die neu gestaltete Frontpartie mit einem neuen Siebenkammer-Kühlergrill, einem veränderten Stoßfänger sowie schmaleren Scheinwerfern, die nun zusätzlich eine markante Tagfahr-LED-Spange tragen. Hinten fallen besonders die vergrößerten Rückleuchten auf.

Zu den deutschen Jeep-Händlern kommt der überholte Grand Cherokee im Juli 2013. Der Dreiliter-Diesel mit 250 PS ist ab 52 900 Euro erhältlich, das sind immerhin 2 400 Euro mehr als bislang.