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Ein elektronisches Taxi für tropische Großstädte ist auf der 43. Tokyo Motor Show zu sehen. Das Fahrzeug mit Namen EVA wurde von der Forschergruppe TUM Create vorgestellt. Das aus 120 Wissenschaftlern, Ingenieuren und Designern zusammengesetzte Team ist aus der Kooperation der Technischen Universität München (TUM) mit der Nanyang Technological University (NTU) in Singapur hervorgegangen. Die Gruppe ist in Singapur tätig. Dadurch haben die Forscher das Einsatzgebiet des Taxis direkt vor Augen: eine Großstadt mit sommerlichem Klima.

E-Taxis könnten künftig einen bedeutenden Beitrag bei der Verringerung der Kohlendioxid-Emissionen leisten, glauben die Forscher. In Singapur machen Taxis zwar weniger als drei Prozent der Fahrzeuge aus, aber sie legen 15 Prozent der gefahrenen Strecken zurück. Ein Taxi fährt täglich über 500 Kilometer. So müsste das EVA-Taxi täglich beispielsweise zweimal aufgeladen werden, denn die Reichweite wird mit 200 Kilometer beziffert. Bei den üblichen Ladezeiten von acht Stunden wäre das undenkbar. Stattdessen soll der Fahrer das Taxi mit einem neu entwickelten Schnellladesystem in gerade mal 15 Minuten aufladen – beispielsweise während er am Taxistand auf den nächsten Fahrgast wartet. Beim schnellen Laden treten jedoch hohe elektrische Stromstärken auf. Die dadurch entwickelte Wärme könnte die Lebensdauer der Akkus reduzieren. Aus diesem Grunde werden die Batterien während des Ladevorgangs besonders gut gekühlt.

Eine Kühlaufgabe ergibt sich auch in Bezug auf die Insassen, gerade in tropischem Klima. Um Energie zu sparen, wird bei EVA nicht der gesamte Innenraum gekühlt, sondern nur der Bereich der belegten Sitze. Luftdüsen im Dach gewährleisten die Klimatisierung von Kopf und Oberkörper, zudem gibt es eine Sitzbelüftung. Dabei kann jeder Passagier die Temperatur an seinem Platz über das eigene Smartphone variieren.

Einen weiteren Beitrag zur Senkung des Energiebedarfs liefert bei EVA der Einsatz leichtgewichtiger Materialien. So setzt sich die Fahrgastzelle aus carbonfaserverstärktem Kunststoff (CFK) zusammen. Durch die schweren Batterien ist das Fahrzeug mit knapp 1 500 Kilogramm dennoch nicht leichter als ein gewöhnlicher Kompaktvan. Mit 4,32 Meter Länge und 1,68 Meter Höhe hat EVA ungefähr die Abmessungen eines Fiat 500L. Der Elektromotor treibt die Vorderräder an und hat eine – elektronisch begrenzte – Leistung von 60 Kilowatt oder 82 PS. Eindrucksvoller ist das Drehmoment von 223 Newtonmeter. Dadurch soll ein Sprint von null auf 100 km/h in zehn Sekunden machbar sein. Bei den Batterien verwendet die Forschergruppe Lithium-Polymer-Technik, die Speicherkapazität beträgt 50 Kilowattstunden.