Syda Productions/ Foto­lia

Güns­ti­ge Kin­der­sit­ze fin­den sich zahl­reich und gut bewor­ben im Inter­net. Ob Sit­ze unter 70 Euro wirk­lich sicher sind, haben der deut­sche Auto­mo­bil­club ADAC und die Stif­tung Waren­test anhand von Stich­pro­ben nun getes­tet. Auf den Prüf­stand kamen zehn unter­schied­li­che Kin­der­sit­ze aus allen Gewichts­klas­sen in den Punk­ten Sicher­heit, Bedie­nung und Ergo­no­mie, Schad­stoff­ge­halt sowie Rei­ni­gung und Ver­ar­bei­tung. Der Fron­tal­crash wur­de mit 64 km/h, der Sei­ten­auf­prall mit 50 km/h nach­ge­bil­det.

Sechs von zehn über­prüf­ten Pro­duk­ten erhiel­ten das ADAC-Urteil „man­gel­haft“. Bei drei Sit­zen ris­sen die Rücken­leh­nen beim Crash­test, die Gur­te bra­chen aus der Hal­te­rung her­aus oder die Schad­stoff­be­las­tung war äußerst hoch. Gene­rell waren die Schad­stoff­wer­te höher als in den Tests der Jah­re zuvor. Die Baby­scha­le Nania Beo­ne SP ist das ein­zi­ge mit der Gesamt­no­te „gut“ bewer­te­te Pro­dukt im Test. Sie ist rela­tiv leicht und ihre Crash-Wer­te kön­nen punk­ten.

Anders sieht es in den ande­ren Gewichts­klas­sen aus: Beim Sitz Nania Safe­ty Paris SP für Kin­der bis 18 Kilo­gramm zer­brach die Sitz­scha­le beim fron­ta­len Auf­prall – das Kind wäre beim Unfall unge­schützt nach vor­ne geschleu­dert wor­den.

Für Kin­der von 9 bis 36 Kilo­gramm gibt es zwei Sit­ze mit einem „befrie­di­gend“: Der Nania Racer SP und der Fisher Pri­ce FP3000 sind damit noch zu emp­feh­len. „man­gel­haft“ in die­ser Klas­se sind der Tig­go Bebe­hut und der United-Kids Alpha Delu­xe, wel­ches ein hohes Ver­let­zungs­ri­si­ko beim Front- und Sei­ten­crash zur Fol­ge haben.

Beun­ru­hi­gend ist außer­dem, dass der United-Kids Alpha Delu­xe frü­her unter dem Namen IWH Tra­de Max Vario Max ver­kauft wur­de und die­ser schon beim Kin­der­sitz­test 2008 mit „man­gel­haft“ durch­ge­fal­len ist. Er wur­de also nur umbe­nannt, ohne tech­nisch ver­bes­sert wor­den zu sein.

In der Klas­se für Kin­der von 15 bis 36 Kilo­gramm gibt es mit dem Fisher Pri­ce FP4000 einen befrie­di­gen­den Sitz sowie mit dem Nania Star­ter SP ein Pro­dukt, das wegen einer hohen Schad­stoff­be­las­tung mit „man­gel­haft“ durch­ge­fal­len ist.

Gezeigt hat sich eben­falls, dass die Beschrei­bun­gen im Inter­net meis­tens unge­nau sind: Bei eini­gen Sit­zen, die meh­re­re Jah­re lang ein­ge­setzt wer­den, muss zum Bei­spiel bei grö­ße­ren Kin­dern die Rücken­stüt­ze abge­nom­men wer­den – beim Sei­ten­auf­prall sind die klei­nen Pas­sa­gie­re dann nicht mehr hin­rei­chend geschützt.

Auch bei Kin­der­sit­zen, die die gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Zulas­sung ECE-R44 erfül­len, ist nicht not­wen­di­ger­wei­se ein siche­res Sit­zen der Klei­nen garan­tiert. Grund: Der Sei­ten­crash ist nicht Teil des Zulas­sungs­ver­fah­rens.

Der ADAC rät zur Vor­sicht bei Sit­zen in der unte­ren Preis­klas­se, wel­che ohne Bera­tung im Inter­net ange­bo­ten wer­den. Eltern soll­ten Ver­brau­cher­schutz­tests kon­sul­tie­ren, um güns­ti­ge und gleich­zei­tig auch siche­re Model­le zu fin­den. Häu­fig ist auch ein Vor­gän­ger­mo­dell der qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge­ren Pro­duk­te eine preis­wer­te und gute Alter­na­ti­ve.