Sven-Olaf Fröhlich / fotolia

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Der EuroNCAP-Crashtest ist in Deutschland wohl den meisten Autointeressierten bekannt. In den USA veranstalten das Insurance Institute or Highway Safety (IIHS) und die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) ähnliche Tests, für Japan gibt es JNCAP, für Australien ANCAP und für Korea KNCAP. Auch in Schwellenländern gibt es bereits erste Crashtest-Organisationen. Seit 2010 arbeitet Latin NCAP für Lateinamerika sowie die Karibik. Im jüngsten Crashtest offenbarte sich, dass einige dort verkaufte Autos beträchtliche Sicherheitsmängel aufweisen.

In den Crashtests schnitten die Modelle Chevrolet Agile, Nissan Tsuru, Renault Clio Mio und Suzuki Alto K10 ausnahmslos mit null von fünf Sternen ab. Die beliebten Einstiegsfahrzeuge werden in Lateinamerika sämtlich ohne Airbags, ohne ESP und ohne ABS verkauft, und sie besitzen instabile Karosseriestrukturen. Besser erging es dem Suzuki Celerio, welcher vier Sterne erhielt. Der Seat Leon schnitt vorbildlich ab. Er war sogar das erste Auto mit einer Fünf-Sterne-Wertung in den Tests von Latin NCAP.

Gleich vier Fahrzeuge mit null Sternen: Die globale Crashorganisation Global NCAP ist über die neuesten Ergebnisse bestürzt. Ihr Vorsitzender Max Mosley, bekannt von seiner früheren Tätigkeit für die Internationale Automobilorganisation FIA, schrieb deshalb die Chefs der Hersteller an. Carlos Ghosn von Renault-Nissan, Daniel F. Akerson von General Motors und Osamu Suzuki wurden gebeten, sich an den UN-Mindeststandards für Unfallsicherheit zu orientieren. Grundsätzlich will die Organisation, dass sämtliche Autos bis 2015 die internationalen Standards für Sicherheitsgurte sowie für Front- und Seitenaufprallschutz erfüllen. Bis 2020 sollen alle Fahrzeuge mit ESP und Schutzmaßnahmen für Fußgänger ausgestattet sein.

Die jetzt aufgedeckten, schlechten Sicherheitsstandards in Autos sind kein lateinamerikanisches Ausnahmephänomen. Global NCAP schätzt, dass von den jährlich international verkauften Pkw circa ein Drittel die UN-Standards nicht erfüllt. Das schnelle Wachstum der Schwellenländer-Märkte dürfte dazu beitragen. So sagt Mosley: „Bedenken, dass schwache Umsätze und zurückgehende Gewinne in den herkömmlichen Märkten Fahrzeughersteller veranlassen, in Schwellenländern unnötige Sicherheitsrisiken einzugehen. In unregulierten Märkten ist es für Fahrzeughersteller zu einfach, Produkte zu erzeugen, die für die Kunden Sicherheitsrisiken mit sich bringen.“ Wenn Hersteller wissen, dass ihre Produkte nicht die globalen Sicherheitsstandards einhalten, sollten sie augenblicklich handeln. „Das Leben eines Kunden in Lateinamerika ist nicht weniger wertvoll als das eines Kunden in Europa, Japan und den USA„, äußerte sich Mosley weiter.

Jedes Jahr werden weltweit rund 60 Millionen Pkw produziert, wie aus den Daten der OICA (Organization of Motor Vehicle Manufacturers) für 2012 zu lesen ist. Damit wuchs der Weltmarkt seit dem Jahr 2005 um knapp 15 Millionen Stück. Der lateinamerikanische Markt macht mit nur etwa 4,5 Millionen nur einen geringen Teil des Weltmarkts aus, jedoch mit steigender Tendenz, denn 2005 waren es noch 2,3 Millionen Autos. Brasilien ist mit 2,9 Millionen Einheiten der sehr viel größere Markt in Süd- und Mittelamerika.