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Die TV- und Radiowerbung von Deutschlands erfolgreichster Autoglaser ist omnipräsent: „Ein Schlagloch, und Ihre Scheibe kann reißen.“ Mit Wirkung: Allein 2011 kamen 800 000 Kunden in die 250 Carglass-Filialen, um auch winzigste Steinschläge in der Windschutzscheibe reparieren zu lassen. Denn schließlich ist die Glasreparatur, bei der Schäden in der Scheibe mit einem durchsichtigen Harz verschlossen werden, für teil- oder vollkaskoversicherte Autos gebührenfrei. Soweit die Theorie. In der Praxis kommt es jedoch dazu eher selten. Bei knapp zwei Drittel aller Fälle wechselt Carglass die Frontscheibe komplett aus. Denn der Bereich, in dem eine Reparatur technisch ausführbar und auch erlaubt ist (nicht zu nah am Rand, nicht im Sichtfeld des Fahrers), ist eher klein. Zudem ist der für Carglass eindeutig lukrativere Austausch der Scheibe für den Autofahrer nicht kostenlos, er zahlt zumindest seine Selbstbeteiligung, normalerweise zwischen 150 und 500 Euro.

Die Methode des Branchenriesen kritisierte kürzlich der Bundesverband der Autoglaser in der „FAZ“: „Carglass hat den Leuten eingeredet, dass jeder kleine Steinschlag sofort repariert werden muss. Die Werbung fördert beim Autofahrer die Angst.“ Und das ziemlich erfolgreich. Als Carglass 2009 startete, auch im Fernsehen zu werben, sei die Zahl der den Versicherern gemeldeten Glasschäden um stolze 212 000 gestiegen, die Kosten für die Regulierung um 98 Millionen Euro, so Stephan Schweda vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Nun überlegen viele Kfz-Versicherer, die kostenfreie Scheibenreparatur wieder einzustellen, um Autofahrer davon abzuhalten, wegen kleinster Einschläge zu Carglass und Co zu rennen.