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Dass Autos im Alltag mehr Treibstoff brauchen, als es der Normverbrauch beziffert, ist bekannt. Die wirklichen Verbräuche sind je nach Untersuchung etwa 25 bis 40 Prozent höher. Gleich siebenmal höhere Werte als im Labor soll es aber bei den außerordentlich gesundheitsschädlichen Stickoxid-Emissionen (NOx) geben. Zu dem Schluss kam eine Untersuchung des ICCT aus dem Jahr 2014. Dem soll nun ein Riegel vorgeschoben werden. Deshalb beschloss der zuständige EU-Fachausschuss nun, dass der NOx-Ausstoß in Zukunft zusätzlich auch im realen Fahrbetrieb gemessen werden muss.

Begründung: Die Euro-6-Norm limitiert die NOx-Emissionen von Diesel-Pkw auf bis zu 80 Milligramm pro Kilometer. Bei der Typgenehmigung darf ein Euro-6-Auto diesen Wert auf dem Rollenprüfstand nicht überschreiten. Jetzt soll eine Prüfung im realen Straßenverkehr dazukommen. Aus diesem Grund werden die Dieselfahrzeuge mit mobiler Messtechnik (Portable Emissions Measurement System, PEMS) versehen, die die Stickoxide am Auspuff misst. Das Auto muss dann einen sogenannten Not-to-Exceed-Wert (NTE-Wert) einhalten, welcher um einen bestimmten Konformitätsfaktor CF höher als der Euro-6-Grenzwert liegt. Bei LKW, wo PEMS-Messungen schon heute vorgeschrieben sind, wird ein CF von 1,5 benutzt, die realen Emissionen dürfen also anderthalb mal höher sein als auf dem Rollenprüfstand. Für PKW wird eine Einführung mit der Abgasnorm Euro 6c zum 1. September 2017 angezielt. Man erwägt einen CF 2,75 für 2017, mit einer Verschärfung im Jahr 2020 auf einen Wert von 1,5.

Neben dem CF-Wert sind auch die genauen Umstände für die Zusatzprüfung noch nicht festgelegt. Schließlich dürfte es einen Unterschied machen, ob das Auto im Stop-and-go-Verkehr in einer Großstadt, bergauf, bei Volllast auf der Autobahn und im Winter unterwegs ist. Doch die Fahrzeughersteller sorgen schon jetzt vor. So sind die Dieselversionen des neuen BMW 2er Gran Tourer auf den Einbau eines Adblue-Systems vorbereitet, welches niedrigere NOx-Werte mit sich bringt. Wuchtigere und stark motorisierte Fahrzeuge benötigen die aufwendige Abgasreinigung schon heute, um die Euro-6-Norm einzuhalten. Mit der RDE-Prüfung dürfte das Adblue-System dann bei sämtlichen Dieseln notwendig sein. Für den Autofahrer heißt das: Die Dieselversionen werden wohl im Preis steigen und man muss gleichmäßig Adblue nachfüllen.