Mohs Sea­pla­ne Cor­po­ra­ti­on, die von 1967–1979 in Madi­son ansäs­sig war, pro­du­zier­ten ursprüng­lich Was­ser­flug­zeu­ge. In den 60er Jah­ren ver­such­te sich der Grün­der, Fabri­kant und Erfin­der Bruce Mohs aus Wis­con­sin als Uni­ver­sal­ge­nie. Er ent­wi­ckel­te Reflek­to­ren, Mini-Motor­rol­ler und Bei­wa­gen, die schwim­men konn­ten. Als Erfin­der besaß Mohs vie­le Paten­te für Sicher­heits­vor­rich­tun­gen und beschloss, die bes­ten in einer Luxus­li­mou­si­ne zu ver­ei­nen. Zum Bei­spiel das her­aus­sprin­gen­de Sicher­heits­glas, extrastar­ke Rück­leuch­ten oder beim Auf­prall nach hin­ten schwen­ken­de Sit­ze. Als Basis wähl­te er Nutz­fahr­zeug-Fahr­ge­stel­le von Inter­na­tio­nal Har­ves­ter.

Der Wagen schlug alles Dage­we­se­ne, so unpro­por­tio­niert, dass er jeden, der ihn sah, scho­ckier­te. Lang wie eine Cadil­lac-Limou­si­ne, aber 25 Zen­ti­me­ter brei­ter, auf 20-Zoll-Rädern mit stick­stoff­ge­füll­ten Rei­fen war es ein, in tech­ni­scher sowie in gestal­te­ri­scher Hin­sicht, sehr unge­wöhn­li­ches Auto. „Ich wuss­te, dass der Bug­at­ti Roya­le eine 1,8 Meter lan­ge Hau­be hat­te, also streck­te ich vorn noch etwas. Man muss die Kon­kur­renz in die Schran­ken ver­wei­sen“, erin­nert sich Mohs heu­te. Um sei­nem Wagen noch etwas fran­zö­si­sches Flair mit­zu­ge­ben, ver­lieh er ihm den Bei­na­men Osten­ta­ti­en­ne, in Anleh­nung an „osten­ta­tious“ (Eng­lisch für pom­pös).

Ein­stei­gen muss­ten die Insas­sen durch eine ein­zel­ne Heck­tür über eine Trep­pe. Mit sei­nem durch­sich­ti­gen Dach, Arma­tu­ren aus Wal­nuss­holz mit Gold­in­tar­si­en, Tep­pi­chen im Stil der Ming-Dynas­tie war das Gefährt ein wirk­lich exo­ti­sches Luxus­mo­bil.

1967 kam der Osten­ta­ti­en­ne Ope­ra Sedan auf den Markt, zu Prei­sen zwi­schen 19 600 und 25 600 Dol­lar, je nach Aus­stat­tung. Es blieb beim Pro­to­typ und dies wur­de Bruce Mohs’ All­tags­au­to und Show­stop­per – so als? Mohs 1968 die Wahl­kampf­re­de von Nel­son Rocke­fel­ler unter­brach, nur weil er in der Nähe vor­bei­fuhr. In Texas wur­de er von einem TV-Team mit einem Rock­star ver­wech­sel­te. Das Auto wur­de zur Fir­men­li­mo pro­mi­nen­ter Gäs­te, wenn sie die Mohs Sea­pla­ne Cor­po­ra­ti­on besuch­ten. In Mohs’ „Ger­man Restau­rant“, wel­ches an sein Auto­mu­se­um grenz­te, durf­te man umsonst ins Muse­um, wenn man im Lokal etwas bestell­te. Dort wur­de der Osten­ta­ti­en­ne Ope­ra Sedan auf­be­wahrt. In den spä­ten 80ern sank die Son­ne über Mohs-Impe­ri­um und es began­nen sich Legen­den um das skur­ri­le Gefährt zu ran­ken.

Doch erst 2008 inter­es­sier­te sich wie­der jemand für das Gefährt. Fred Bey­er, ein Tüft­ler genau wie Mohs, bil­de­te Auto­me­cha­ni­ker aus und mach­te das Uni­kum wie­der flott. Das 2,6-Megagramm-Monstrum wur­de aus dem Muse­um gezerrt. Der Lack blät­ter­te, der Rost blüh­te und in¬nen sah es wie in Omas Kel­ler aus, kommen¬tiert Bey­er.

Zu Hau­se erwach­te er dann schnel­ler zum Leben als erwar­tet. Der Ver­ga­ser wur­de über­holt, die Ori­gi­nal­rei­fen mit Stick­stoff befüllt und der Fünf­li­ter-V8 von Internatio¬nal Har­ves­ter schnurr­te wie vor 40 Jah­ren. Seit 2009 ist der Osten­ta­ti­en­ne Ope­ra Sedan wie­der her­ge­stellt.

Und Bruce Mohs? „Es war sei­ne Rei­se in die Ver­gan­gen­heit“, berich­tet Bey­er, „er hat­te Trä­nen in den Augen.