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Die meis­ten Edel­ka­ros­sen sor­gen bei Außen­ste­hen­den für Neid. Eini­gen zu prot­zig gera­te­nen Luxus­au­tos wird dage­gen mit Ableh­nung begeg­net. Wobei die sich nor­ma­ler­wei­se eher auf den Fah­rer bezieht. Und dann gibt es aber noch Nobel­ge­fähr­te, die flö­ßen Respekt ein. Der hier vor­ge­stell­te Bent­ley Fly­ing Spur ist so einer. Der Respekt wird in vie­len klei­nen Bege­ben­hei­ten deut­lich. Egal wo die Limou­si­ne vor­fährt, sie sorgt fort­wäh­rend für Auf­merk­sam­keit.

Auch nach 15 Jah­ren Zuge­hö­rig­keit zum gro­ßen VW-Kon­zern hat Bent­ley sei­nen Ruf als klei­ne, fei­ne Edel­schmie­de nicht ein­ge­büßt. Obwohl die Pro­duk­ti­on inzwi­schen in nicht mehr ganz so homöo­pa­thi­schen Dosen wie einst erfolgt, gilt die Mar­ke nach wie vor als Aus­bund von Exklu­si­vi­tät. Die Käu­fer eines Fly­ing Spur legen Wert dar­auf, etwas dif­fe­ren­zier­ter zu fah­ren als die Limou­si­nen der Auto­ver­mie­ter und VIP-Shut­tles – also Audi A8, BMW 7er oder die Mer­ce­des S-Klas­se. Und tat­säch­lich schafft der Fly­ing Spur eine ganz eige­ne Wohl­fühl­at­mo­sphä­re. Der Unter­schied zur deut­schen Luxus­kon­kur­renz ist unge­fähr so wie der zwi­schen einem Ede­l­an­zug von der Stan­ge und einem maß­ge­schnei­der­ten Zwirn. Für die Maß­an­fer­ti­gung wer­den noch edle­re Mate­ria­li­en ver­wen­det, sie sitzt noch etwas akku­ra­ter und – vor allem – hebt sie sich durch ihre Indi­vi­dua­li­tät von der Mas­se ab.

Bei Bent­ley spie­len die Wün­sche der liqui­den Kund­schaft, die wohl sel­ten mit dem Argu­ment „Das ist mir aber zu teu­er“ kommt, eine über­ge­ord­ne­te Rol­le. Ent­spre­chend viel­fäl­tig schei­nen die Mög­lich­kei­ten zur Indi­vi­dua­li­sie­rung des Fly­ing Spur: Allein über 100 Lack­tö­ne und 14 Leder­sor­ten ste­hen zur Wahl. Hin­zu kommt eine reich­hal­ti­ge Aus­wahl an erle­se­nen Holz­fur­nie­ren, edlen Tep­pi­chen, unter­schied­lichs­ten Zier­näh­ten, ein­ge­stick­ten Bent­ley-Logos und vie­lem mehr. Sogar tech­ni­scher Schnick­schnack ist erhält­lich. Wie wäre es bei­spiels­wei­se mit einer 1,1 Kilo­watt star­ken Hig­hend-Sound­an­la­ge samt sepa­ra­tem Sub­woo­fer? Oder dem so genann­ten „Bent­ley Con­nec­tivi­ty Unit“ mit Inter­net­zu­gang, fahr­zeug­ei­ge­nem WLAN-Hot­spot und DVD-Anla­ge inklu­si­ve zwei Zehn-Zoll-Moni­to­ren im Fond? Für die hin­te­re Mit­tel­kon­so­le kann sogar ein neun Liter fas­sen­des Kühl­fach bestellt wer­den, damit der Cham­pa­gner immer schön kühl bleibt.

Damit die Käu­fer, die pri­mär aus Ame­ri­ka und immer häu­fi­ger aus Chi­na und dem Mitt­le­ren Osten stam­men, auch wei­ter­hin bei Lau­ne gehal­ten wer­den kön­nen, hat Bent­ley den seit 2005 gebau­ten Fly­ing Spur nach 2009 ein zwei­tes Mal über­ar­bei­tet. Auch wenn man es ihm nicht ansieht: Allein im Inte­ri­eur kom­men 600 neue Tei­le zum Ein­satz. Ledig­lich die Son­nen­blen­den, die Tür­grif­fe, die Arm­leh­nen und ein paar Schal­ter an der Arma­tu­ren­ta­fel wur­den vom Vor­läu­fer über­nom­men. Zehn Qua­drat­me­ter Holz­fur­nier wer­den nun ver­legt, selbst die Tür­säu­len und der Dach­him­mel sind mit Leder bezo­gen. Da der Fly­ing Spur ein Auto zum selbst fah­ren und fah­ren las­sen ist, wur­den sowohl das Cock­pit als auch der Fond außer­or­dent­lich groß­zü­gig und kom­for­ta­bel gestal­tet. Fah­rer und Bei­fah­rer neh­men auf beque­men Sit­zen Platz. 14 elek­trisch steu­er­ba­re Ver­stell­mög­lich­kei­ten dürf­ten es jedem gestat­ten, eine ange­neh­me Sitz­po­si­ti­on zu fin­den. Im hin­te­ren Bereich ste­hen eine drei­sit­zi­ge Rück­bank oder zwei Ein­zel­sit­ze zur Aus­wahl. Das Platz­an­ge­bot ist könig­lich, beque­mes Rei­sen ist garan­tiert. Damit die Insas­sen nach Mög­lich­keit wenig von den Fahr­ge­räu­schen mit­be­kom­men, wur­de die Kabi­ne rund­um mit auf­wen­di­ger Akus­tik­däm­mung aus­ge­stat­tet. So ist der Fahr­zeug­bo­den mit spe­zi­ell ent­wi­ckel­ten Dämm­ele­men­ten aus­ge­klei­det, die Türen sind mit einer wei­te­ren Dämm­schicht aus­ge­stat­tet und alle Schei­ben bestehen aus so genann­tem Akus­tik­glas mit einer geräusch­re­du­zie­ren­den Zwi­schen­schicht.

Von vor­ne ist der Fly­ing Spur mit sei­nem Vier­au­gen­ge­sicht wei­ter­hin ein­deu­tig als Mit­glied der Con­ti­nen­tal-Fami­lie erkenn­bar, auch wenn gera­de die­ser Namens­be­stand­teil aus der Typen­be­zeich­nung getilgt wur­de. In die Schein­wer­fer sind jetzt LED-Tag­fahr­lich­ter inte­griert, der eng­ma­schi­ge Küh­ler­grill steht stei­ler als bis­her und der unte­re Luft­ein­lass zieht sich jetzt ein­tei­lig über die gesam­te Fahr­zeug­front. In der Heck­par­tie sind die Rück­leuch­ten stär­ker in die Brei­te gezo­gen, der Kof­fer­raum­de­ckel sitzt nied­ri­ger und wirkt dadurch weni­ger wuch­tig. Damit ist das Gepäck­raum­vo­lu­men von 475 auf 447 Liter gesun­ken.

Unter der Motor­hau­be des Fly­ing Spur arbei­tet ein alter Bekann­ter, der dop­pelt auf­ge­la­de­ne W12 mit sechs Liter Hub­raum. Er hat zum wie­der­hol­ten Male eine Leis­tungs­sprit­ze erhal­ten, statt 560 ste­hen aktu­ell 625 PS zur Ver­fü­gung und machen das Auto dadurch zur stärks­ten Limou­si­ne, die Bent­ley je gebaut hat. Der äußerst har­mo­ni­sche Zwölf­zy­lin­der säu­selt unter Nor­mal­be­din­gun­gen kaum ver­nehm­bar vor sich hin und fügt sich dadurch per­fekt ins Gesamt­bild der luxu­ri­ös-gedie­ge­nen Nobel­ka­ros­se. Erst unter Voll­last fängt die Maschi­ne leicht an zu knur­ren, was sie auch darf, wenn sie ihre maxi­mal 800 New­ton­me­ter Dreh­mo­ment auf die Kur­bel­wel­le beför­dert. Obwohl der Fly­ing Spur im Ver­gleich zum Vor­gän­ger 50 Kilo­gramm abge­speckt hat, bleibt er mit knapp 2,5 Mega­gramm auf in Zukunft ein ech­tes Schwer­ge­wicht. Umso bemer­kens­wer­ter ist es, wie beweg­lich sich das Fahr­zeug prä­sen­tiert. Zwar kommt der Bri­te aus dem Stand her­aus etwas schwer in die Gän­ge, doch dann setzt sich der Koloss mit einer Vehe­menz in Bewe­gung, dass es eine wah­res Ver­gnü­gen ist. Gera­de mal 4,6 Sekun­den ver­ge­hen für den Spurt von null auf Tem­po 100. Er kommt auf 320 km/h Spit­ze.

Damit die zügel­lo­se Kraft auch sau­ber auf den Asphalt gebracht wird, ver­fügt der Fly­ing Spur stets über einen All­rad­an­trieb. Wie schon bei allen ande­ren Con­ti­nen­tal-Geschwis­tern fin­det im Fly­ing Spur nun ein Acht­gang-Auto­mat Ver­wen­dung, wel­cher den bis­he­ri­gen Sechs­stu­fen-Wand­ler ersetzt. Die Gang­wech­sel des neu­en Getrie­bes erfol­gen so geschmei­dig und samt­weich, dass sie kaum spür­bar sind, und gleich­zei­tig äußerst flink. Schein­bar weil es heu­te ein­fach dazu gehört, hat Bent­ley dem Wagen sogar Schalt­wip­pen ver­passt. Durch das Luft­fahr­werk glei­tet die Limou­si­ne über Boden­wel­len gera­de­zu hin­weg. Quer­ril­len könn­ten aber durch­aus noch etwas bes­ser aus­ge­gli­chen wer­den. Sie blei­ben spür­bar und wer­fen auf län­ge­ren Fahr­ten einen klei­nen Schat­ten auf den Fly­ing Spur, wel­cher in die­ser Kate­go­rie nicht mit der Mer­ce­des S-Klas­se mit­hal­ten kann. Ein wenig Abhil­fe dürf­ten die seri­en­mä­ßi­gen 19-Zöl­ler schaf­fen, die bes­se­ren Abroll­kom­fort ver­hei­ßen.

Beacht­li­che 191 590 Euro ver­langt Bent­ley für den Fly­ing Spur, das ist ein Auf­schlag von mehr als 23 000 Euro gegen­über dem Vor­gän­ger. Aber für den Basis­preis dürf­te wohl kein ein­zi­ges Auto ver­kauft wer­den, mit Indi­vi­dua­li­sie­run­gen kos­tet das Auto deut­lich mehr. 35 000 Euro dafür mehr sind noch weit von einer Voll­aus­stat­tung ent­fernt.

Motor und AntriebBent­ley Fly­ing Spur 
Motor­artOtto­mo­tor in W-Form mit Bitur­bo­auf­la­dung
Zylin­der12
Ven­ti­le4
Hub­raum in ccm5.998
Leis­tung in PS625
Leis­tung in kW460
bei U/min6.000
Dreh­mo­ment in Nm800
bei U/min2.000
AntriebAll­rad­an­trieb
Gän­ge8
Getrie­beAuto­ma­tik
Maße und Gewich­te 
Län­ge in mm5.295
Brei­te in mm1.976
Höhe in mm1.488
Rad­stand in mm3.065
Leer­ge­wicht in kg2.475
Zula­dung in kg497
Kof­fer­raum­vo­lu­men in Liter442
Kraft­stoff­artSuper
Fahr­leis­tun­gen / Ver­brauch 
Höchst­ge­schwin­dig­keit in km/h320
Beschleu­ni­gung 0-100 km/h in Sekun­den4,6
EG-Gesamt­ver­brauch in Liter/100 km14,7
EG-Ver­brauch inner­orts in Liter/100 km22,4
EG-Ver­brauch außer­orts in Liter/100 km10,2
CO2-Emis­si­on in g/km343
Schad­stoff­klas­seEuro 5