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12 156 rein elektrische Fahrzeuge waren am 1. Januar 2014 in Deutschland zugelassen. Innerhalb eines Kalenderjahres hat sich die Zahl an Stromwagen in Deutschland verdoppelt. Nimmt man an, es geht stetig weiter mit der Verdoppelung der Zulassungszahlen, könnte Kanzlerin Merkel recht behalten und 2020 bewegen sich in der Tat eine Millionen Autos emissionsfrei durch Deutschland. Kia schließt sich diesem Trend an und elektrifiziert den Soul. Die Südkoreaner bringen mit dem Soul EV, einer Kombination aus Kompaktwagen und SUV, ihr erstes vollständig elektrisches Fahrzeug auf den deutschen Markt.

Der Testwagen mit dem 81 kW starken Motor zeigt nach dem Einsteigen einen Ladezustand von 98 Prozent. Die daraus resultierende Reichweite gibt der Computer mit 142 Kilometer an. Nach dem NEFZ-Testzyklus sollten bei diesem Ladezustand der 27 Kilowattstunden fassenden Lithium-Ionen-Polymer-Batterie eigentlich über 200 Kilometer fahrbar sein. Der Soul EV denkt jedoch mit und berechnet seine vermutliche Reichweite über den Verbrauch der letzten 20 Fahrstrecken.

Bei schnelleren Streckenabschnitten auf der Autobahn und der Bundesstraße empfiehlt sich der Fahrmodus „D“. Nimmt man dann das Gas weg, segelt der Soul EV nahezu ohne Bremswirkung weiter. Die Energierückgewinnung ist hier dementsprechend gering. Im Stadtverkehr hat man die Möglichkeit, diese im „D plus Eco-“ oder „B-Modus“ zu unterstützen. Im Letzteren ist die Energierückgewinnung so extrem ausgelegt, dass sich der elektrifizierte Soul fast ohne Bremspedal manövrieren lässt.

Am Ende der Fahrt standen noch 69 Prozent der Ladung zur Verfügung, die 100 Kilometer ermöglichen sollen. Ein Druck auf die EV-Taste zeigt das erreichte Öko-Niveau an. Die Punktzahl wird mit einem Baum veranschaulicht. Viele Blätter bedeuten: Man ist gut mit den verfügbaren Ressourcen umgegangen. Etwas sachlicher stehen 16,9 Kilowattstunden pro 100 Kilometer als Verbrauchswert daneben. Dass das 2,2 Kilowattstunden mehr sind, als vom Werk aus beziffert, rückt beim Anblick des prachtvollen Blattwerks jedoch in den Hintergrund und Soul EV und Fahrer können sich gegenseitig beglückwünschen: toll gemacht.

Jedoch bleibt ein Problem: Ein Elektromotor erzeugt keine nutzbare Wärme. So müssen andere Heizungskonzepte geschaffen werden. Die Wärme muss genau wie die Fahrenergie durch den mitgeführten Akkumulator generiert werden. Statt direkt die ganze Fahrgastzelle zu erwärmen, verwendet Kia Kontaktwärme. So besitzen die vorderen Sitze eine serienmäßige Heizung und ebenso das Lenkrad lässt sich elektrisch erwärmen. Außerdem gibt es noch eine Raumluftheizung. Die Driver-only-Funktion kann diese Lüftung und Heizung einzig auf den Fahrer ausrichten. Wer noch mehr sparen möchte, hat die Möglichkeit, die serienmäßige Klimaanlage respektive Heizung, vollständig abzuschalten.

Außerhalb lässt sich der Kia Soul EV nicht ohne Weiteres als Elektrofahrzeug ausmachen. Er ist um ein Zentimeter flacher als ein Verbrenner-Pendant, er hat leicht modifizierte Rückleuchten, aerodynamisch angepasste Felgen und eine Klappe für die Ladevorrichtung – wo sich sonst der Kühlergrill befindet. Lediglich diese Bereiche verraten, dass es sich um das Elektromodell handelt. Wenn Anfang 2015 noch die Uni-Lackierungen in Weiß und Silber in die Farbpalette mit aufgenommen werden, wird der Kompaktwagen mit SUV-Genen wohl gänzlich unerkannt durch die Stadt fahren können.

Kia möchte gleich mehrere Möglichkeiten bieten, um den leeren Soul EV aufzuladen. Über die 230-Volt-Haushaltssteckdose soll es knapp zehn bis vierzehn Stunden dauern, bis der Akku wieder bereit zum Fahren ist. An der 380-Volt-Dose reduziert sich di Zeit um die Hälfte. Kia plant zudem Boxen, die rund 100 Kilowatt bieten und den Akku in gerade mal 25 Minuten zurück auf 80 Prozent bringen könnten.

Wenn man plant, sich ein Elektroauto anzuschaffen, dann gibt es eigentlich keinen bedeutsamen Grund, der gegen einen Kia Soul EV spricht. Die Reichweite ist für den urbanen und suburbanen Raum vollkommen ausreichend und selbst auf kurzen Autobahnfahrten macht der kompakte Stromwagen eine attraktive Figur. 30 790 Euro muss man für einen fast voll ausgestatteten Elektro-Soul ausgeben (der Kia Soul mit dem 1,6-Liter-Benziner startet in der Basis bereits bei 16 990 Euro). Die Aufpreisliste des Stromers ist aber kurz: 990 Euro kostet die einzig verfügbare Option, das Komfort-Paket. Es setzt sich aus Teilleder, Sitzbelüftung, eine Sitzheizung für den Fond und Parksensoren zusammen.

otor und Antrieb Kia Soul EV 
Motorart Elektromotor
Leistung in PS 110
Leistung in kW 81
bei U/min 2.730 – 8.000
Drehmoment in Nm 285
bei U/min 0 – 2.730
Antrieb Frontantrieb
Getriebe Automatik (stufenlos)
Fahrwerk  
Radaufhängung vorn Mac-Pherson-Federbeine
Radaufhängung hinten Verbundlenkerachse
Bremsen vorn Scheiben innenbelüftet
Bremsen hinten Scheiben
Räder, Reifen vorn 205/60 R16
Räder, Reifen hinten 205/60 R16
Lenkung elektronische Servolenkung
Maße und Gewichte  
Länge in mm 4.140
Breite in mm 1.800
Höhe in mm 1.593
Radstand in mm 2.570
Leergewicht in kg 1.565
Zuladung in kg 395
Kofferraumvolumen in Liter 281
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 891
Fahrleistungen / Verbrauch  
Höchstgeschwindigkeit in km/h 145
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 11,2
CO2-Emission in g/km 0
Fixkosten  
Haftpflicht-Klasse 17
Teilkasko-Klasse N21
Vollkasko-Klasse N20
Weitere Informationen  
Batterietyp Lithium-Ionen-Polymer
Batterieleistung 360 V / 75 Ah
Batteriekapazität 27 kWh
Verbrauch 14,7 kWh / 100 km
Reichweite 212 km
Ladedauer bei 230 V 10 – 14 h