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Volvo hat in Deutschland einen Dieselanteil von über 90 Prozent. Man hätte die Benzinerseite der neuen modularen Drive-E-Motoren also auch einfach weglassen können. Würde doch eh niemandem auffallen. Ganz so simepel ist es dann auch wieder nicht. Schließlich haben die Menschen in den USA oder in China kaum Lust auf nagelnde Selbstzünder. Und spätestens wenn der weltweite Hoffnungsträger XC90 im Frühjahr 2015 auf den Markt erscheint, wird es sich als sehr nützlich erweisen, dass man die alten Benziner-Saufbolde mit fünf und sechs Zylindern durch hochmoderne Turbo-Vierzylinder ersetzt hat.

Der Kleinste im Schweden-Programm profitiert jetzt auch von den Neuerungen. Denn im V40-Topmodell T5 schlägt nun auch ein Drive-E-Herz. Es hat über zwei Liter Hubraum und ersetzt den Fünfzylinder-Turbo mit 188 Kilowatt. Seine 180 Kilowatt und 350 Newtonmeter gehen per Achtgang-Automatik nur an die Vorderräder. Klingt recht ordentlich und beschleunigt den mit 1 583 Kilogramm reichlich properen V40 auch dementsprechend; in 6,3 Sekunden von null auf 100 km/h, Schluss ist erst bei Tempo 240. Direkt nach dem Start und bei geringeren Drehzahlen stellt sich auch beim neuen T5 ein Phänomen ein, das so viele aktuelle Direkteinspritzer teilen – er klingt ähnlich wie ein Diesel. Glücklicherweise verschwindet das laute Geräusch des Motors recht flott und mutiert im weiteren Drehzahlverlauf zu einer angenehmen Ruhe, wie man sie nur selten findet.

Das Ansprechverhalten des T5 ist für einen Turbo-Benziner recht anständig. Richtig durchstarten tut er ab etwa 2 700 Touren, von wo aus er kräftig, aber durchaus gewandt bis zur roten Linie durchzieht. Die neue Achtgang-Geartronic macht einen guten Eindruck, kann aber in Sachen Gangmanagement und Geschwindigkeit nicht mit den besten Auto-Boxen, etwa von Audi oder BMW, mithalten. Nichtsdestotrotz ist der V40 T5 ein richtig schnelles Auto, das besonders mit der Mühelosigkeit seiner Leistungsentfaltung beeindruckt. Die Antriebseinheit wird dem Premiumanspruch der Marke also definitiv gerecht. Jedoch erschließt sich die bahnbrechende Sparsamkeit des neuen Drive-E-Aggregats, mit der Volvo in jedem zweiten Halbsatz wirbt, nur begrenzt. 5,9 Liter Normverbrauch sind ein waghalsiges Versprechen. Nach einer Autobahnfahrt und einigen Kilometern Hamburger Innenstadt-Chaos waren es laut Bordcomputer eher zehn Liter. Ein Alltags-Verbrauch um die sieben bis acht Liter ist also realistisch.

Der Innenraum des V40 T5 ist ein Ort, an dem man es sich durchaus gut gehen lassen kann. Das Gestühl ist fürstlich und mit dem optionalen R-Design-Paket (je nach Ausstattung zwischen 1 650 und 2 600 Euro) hält sachliche Sportlichkeit Einzug. Mit allerlei Paketen in Bezug auf Infotainment- und Assistenzsysteme kann man den V40 selbstverständlich auch zur bestens vernetzten Mega-Trutzburg machen, leider fällt das Auto aber bei der Bedienung etwas hinter den besten deutschen Konkurrenten zurück. Es gibt viele Untermenüs, durch die man sich für teils einfachste Befehle hindurch klicken muss und ebenso das Navigationsgerät wirkt nicht so edel, wie im BMW 1er oder dem Golf 7. Und so bleibt der Volvo V40 T5 letztlich ein gutes Auto (dem immer ein klein wenig zu einem Audi, BMW, Mercedes oder VW fehlt) mit einem super Motor, den kaum jemand kaufen wird (siehe 90 Prozent Dieselanteil). Der V40 T5 beginnt bei 33 680 Euro. In der Ausstattungslinie Momentum werden mindestens 35 180 Euro fällig. Der Testwagen summierte sich – mit so ziemlich allem, was die Aufpreisliste bietet – auf 48 165 Euro. Das hört sich nach viel an, liegt jedoch auf Augenhöhe mit der durch die Bank schwächeren deutschen Premium-Konkurrenz.