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Es gibt Autos, bei denen weiß man bereits nach fünf Minuten Fahrt, dass man sie nicht mag. Ganz anders beim Seat Leon Cupra: Man fährt etwa fünf Minuten und weiß: Den möchte man gerne behalten. Dafür gibt es allerlei Gründe, die wichtigsten drei zuerst: Erstens das Auto beim normalen Fahren so leise wie eine große Limousine. Zweitens beschleunigt er hörbar hoch, wenn man Gas gibt. Und drittens ist das adaptive Fahrwerk außerordentlich Klasse – es ist auf der Autobahn äußerst komfortabel, jedoch auf der Rennstrecke straff genug, um beherzt in die Kurven zu gehen, trotz der bis zu 280 PS, welche auf die Vorderachse einpeitschen.

Dass man gut in dem Auto sitzt, ein fettes Sportlenkrad in der Hand hat und die Bedienung dabei intuitiv ist, macht die Sache nicht gerade schlechter. Auch nett: Pedale und Einstiegsleisten aus Aluminium sowie ein Ambientelicht mit LEDs in den Türpaneelen. Außerdem ist der getestete Fünftürer geräumig.

Doch beginnen wir von vorne: Der im Herbst 2012 präsentierte Seat Leon der aktuellen Generation hat sich zum Glücksfall für die spanische VW-Tochter erwiesen. Das schnittige, jedoch nicht überzogene Design kommt bei den Kunden in ganz Europa an, wo Seat mit 80 Prozent Verkaufsanteil seinen Fokus hat. Außerdem gibt es den Wagen als Fünftürer, als Dreitürer (SC) mit 35 Millimeter verkürztem Radstand und als Kombi (ST), letzteren jedoch nicht in der Cupra-Version.

Bei dem neuen Cupra werden nun 265 PS auf die Vorderachse losgelassen, in einer zweiten Variante („Cupra 280“) sogar 280 PS. Damit ist der Leon Cupra der schnellste Seat bis heute, bei 250 km/h wird abgeregelt. Und dieser Leon ist nicht nur geradeaus schnell, sondern ebenso in Kurven. Das liegt nicht zuletzt am dynamischen Fahrwerk mit Dynamic Chassis Control und an der Vorderachsquersperre VAQ. Und selbstverständlich auch an den zwei starken Motorvarianten. Das 280-PS-Fahrzeug mit DSG kommt in 5,7 Sekunden von null auf Tempo hundert. Der Handschalter benötigt eine Zehntelsekunde mehr und bei der 265-PS-Variante ist auch noch jeweils eine zehntel Sekunde aufzuschlagen. Beide Motoren warten mit einem Drehmoment von 350 Newtonmeter auf.

Mit der Motor-/Fahrwerkskombination sind die Seat-Ingenieure nach Aussage des Forschungs- und Entwicklungschef Matthias Rabe an die Grenze dessen gegangen, was mit einem Frontantrieb realisierbar ist. Speziell bis 50 km/h bekomme man ausschließlich über die zwei Vorderräder die Kraft bei Vollgas kaum noch auf die Straße. Entscheidend und aussagekräftiger als der Sprintwert von null auf Tempo hundert sei deshalb eine andere Zahl, nämlich die Beschleunigung von null auf 200 km/h in unter 20 Sekunden – eine Zahl, welche vor einigen Jahren noch reinrassigen Sportwagen vorbehalten war. In den nächsten Wochen sei deshalb noch mit einem Überraschungswert für die Nordschleifenumrundung am Nürburgring durch einen frontgetriebenen Wagen zu rechnen, so Rabe.

Der Zweiliter-Motor, welcher in schwächerer Ausführung auch im VW Golf GTI zu finden ist und in stärkerer Form beim allradgetriebenen Golf R, wurde für den Einsatz im Cupra in Form gebracht: Die bei Seat FSI genannte Einspritzung geschieht mit bis zu 200 bar Druck, die Einlassnockenwelle lässt sich ohne Stufen um 60 Grad Kurbelwinkel verstellen, die Auslassnockenwelle um 30 Grad. Der Ventilhub ist in zwei Stufen variabel und der Abgaskrümmer ist in den Zylinderkopf integriert, was zur Erwärmung des Motors beim Kaltstart bei Beschleunigung führt. Eine verhältnismäßig aufwendige Technik, die durch einen großen Turbolader unterstützt wird.

Das Ganze resultiert in einen Sportmotor, der den Leon druckvoll von unten heraus anschiebt. Der Turboschwung setzt dabei nicht abrupt ein, sondern sanft, um dann so richtig in Fahrt zu kommen. Beim starken Durchtreten des Gaspedals wird die Maschine deutlicher lauter.

Bei den Fahrprofilen kann man zwischen den Modi „Comfort„, „Sport„, „Cupra“ sowie „individuell“ wählen. Verändert werden dadurch die Gasannahme, das DSG-Getriebe (bei „Cupra“ schaltet es gleich mal einen Gang runter), der Soundaktor, die Fahrwerksregelung DCC, die Progressivlenkung und die Differenzialsperre vorne.

Das Fahrdynamiksystem (bei Seat ESC genannt) ist zweistufig ausschaltbar. In der Cupra-Stellung ist es noch aktiv und liefert mehr Fahrspaß als komplett abgeschaltet. Gesteigert wird der Spaß durch die Vorderachs-Differenzialsperre, welche das gesamte Antriebsmoment auf das kurvenäußere Rad leiten kann. Dies verhilft dem Auto zu einem besseren Fahrverhalten, als man es von Varianten kennt, bei denen zur Stabilisierung in Kurven nur das innere Rad abgebremst wird. Und es passiert, dass beim starken Beschleunigen aus Kurven heraus nichts an der Lenkung zerrt und dass man auch mal zu schnell in eine Kurve hineingehen und bremsen kann, ohne dass der Wagen gleich über die Vorderräder schiebt. Alles in allem ergibt sich ein ziemlich neutrales Kurvenverhalten, dabei gibt sich die Lenkung präzise und feinfühlig.

Den Seat-Ingenieuren kann man bestätigen, dass sie einen neutral agierenden Sportwagen hinbekommen haben, welcher darüber hinaus leicht zu bedienen ist. Hier hilft selbstverständlich die ebenfalls serienmäßige Fahrwerksregelung DCC (Dynamic Chassis Control), welche die Charakteristik von Federn und Dämpfern anpasst. Auch sinnvoll für schnelle Rundenzeiten: die 25 Millimeter tiefere Standhöhe des Cupra sowie die gut dosierbaren 17-Zoll-Bremsen.

All die aufgeführten Komponenten sind im Leon Cupra standardmäßig mit an Bord. Genauso die Voll-LED-Scheinwerfer und das Infotainmentsystem „Seat Media System Plus“, bei dem aber noch kein Navigationsgerät dabei ist. Gegen Zuschlag gibt es das Abstandsradar ACC mit Front Assist und City-Notbremsfunktion. Serienmäßig sind dagegen die Klimaautomatik und ein Tempomat.

Den Dreitürer gibt es für 30 810 Euro. Fünf Türen kosten 500 Euro mehr und für das DSG möchte der Seat-Händler 1 700 Euro. Wer jedoch die 15 Zusatz-PS des Cupra 280 haben will, muss 1 300 Euro mehr bezahlen. Dafür erhält er nicht nur die per Turbodruck gesteigerte Leistung, sondern auch einen großen Heckspoiler am Dach, 19-Zoll-Räder und exklusive, schwarz lackierte Außenspiegel.

Für gut 30 000 Euro ist der Seat Leon Cupra etwas kostspieliger als der VW Golf GTI, aber bemerkenswert gut ausgestattet und überdies eine gute halbe Sekunde schneller auf Tempo hundert. Premiere hat der Cupra auf dem Genfer Autosalon (6. bis 26. März 2014). Daraufhin wird er im Handel zur Probefahrt bereitstehen, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Keine Kritik? Doch, ein wenig: Die Schaltpaddel des DSG sind aus windigem Plastik angefertigt. Etwas Alu hätte hier den qualitativ hochwertigen Gesamteindruck des Leon Cupra intensiviert.