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Ist das jetzt die neue Oberklasse von Volkswagen? Das haben sich laut Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer die Verantwortlichen gefragt, als der neue Passat fertiggestellt war. Die Antwort Neußers sinngemäß: Nein, ist er nicht, aber etwas mehr als bislang stellt er schon dar. Oberklasse wäre ja sowieso unangebracht gewesen, denn da wartet VW schon mit dem Phaeton auf. Die Lücke existiert eine Ebene tiefer, in der oberen Mittelklasse – etwas Gleichwertiges zu BMW 5er, Mercedes E-Klasse oder Audi A6 fehlt den Wolfsburgern. Hier soll jetzt angeblich der Mitte November 2014 startende neue Passat einspringen, eine Brücke bauen für solche, die „mehr Premium“ bevorzugen; der Test mit der Kombi-Variante.

Mit 4,77 Meter in der Länge kann der neue Passat Variant nicht mit den Kombiversionen von A6, 5er und E-Klasse mithalten, die sind circa 15 Zentimeter länger. Auch der Radstand ist beim VW beträchtlich kürzer. Durch den neuen Querbaukasten jedoch konnten die VW-Ingenieure die Räder in die Ecken schieben – so ist der Passat „nicht mehr so ein Nasenbär„, wie Neußer es nennt. Das Auto wurde damit außen verkürzt und innen vergrößert. Das Platzangebot im Fond wuchs und ist im neuen Passat in der Tat fürstlich. Das gilt ebenso für die Kopffreiheit, obwohl der Wagen nun drei Zentimeter niedriger ist als bislang. Auch beim Kofferraum hat der Variant gegenüber dem Vorläufer deutlich zugelegt: Anstelle von 603 bis 1 731 sind es jetzt 650 bis 1 780 Liter.

Die Rücksitzbank lässt sich jetzt wie beim neuen Mercedes C-Klasse T-Modell doppelt geteilt umklappen, nicht nur einfach geteilt. Der Vorteil: So kann man beispielsweise mit Partner und zwei Kindern zu Ikea fahren und auf der Heimfahrt auch noch das lange Regal mitnehmen. Wenn noch längere Dinge mit müssen, empfiehlt sich die Bestellung des umklappbaren Beifahrersitzes. Ein weiteres angenehmes Gimmick ist eine Art Rollbrett, auf das man schweres Transportgut wie Getränkekisten stellen kann, um sie einfach in den Kofferraum hinein und wieder heraus zubewegen. Das Umklappen der Sitze kann ebenso per Fernentriegelung vom Heck aus bewerkstelligt werden.

Im Cockpit fällt die Gestaltung des Armaturenbretts ins Auge: Hier wollten die Designer die Breite unterstreichen, daher haben sie die Luftausströmer in ein durchgehendes Band integriert. Diese Gestaltung gefällt, doch Peugeot ist den Wolfsburgern mittlerweile in puncto Innenraum-Schick zumindest ebenbürtig. Die silbrig glänzende Querleiste im gelifteten 508 ist beispielsweise noch deutlich raffinierter als das Band aus gebürstetem Alu im Passat.

Wirklich bemerkenswert im Passat ist aber das große Display, das im Testfahrzeug die traditionellen Instrumente ersetzt. In der Mitte zwischen Tacho- und Drehzahlmesser-Anzeige lässt sich die Navigationskarte wiedergeben. So kann der Beifahrer den Radiosender am Display in der Mittelkonsole ändern, ohne dass der Fahrer die Karte aus den Augen verliert. Für das schöne Display muss man allerdings mindestens 500 Euro mehr ausgeben.

Die Motorenauswahl im Passat ist zum Marktstart überschaubar: Neben einem 110-kW-TSI mit Zylinderabschaltung stehen ein 110-kW-Diesel und ein neuer Biturbo-Diesel mit 176 kW zur Auswahl. Weitere Aggregate sollen folgen. Vier Diesel mit 88, 110, 139 und 176 kW sowie fünf Benziner mit 91, 110, 131, 161 und 205 kW sind geplant, hinzu kommt Mitte 2015 noch der Plug-in-Hybrid mit 160 kW Systemleistung. Am besten lief es mit dem 110-kW-Diesel, auf den laut VW auch die meisten Verkäufe entfallen werden. Er gewährleistet bei akzeptablem Preis mehr als genügend Vortrieb, zumindest im Geschwindigkeitsbereich bis 100 km/h.

Trotz 176 kW bringt der Biturbo-Diesel keinen erhöhten Fahrspaß. Sowieso muss man eingestehen: Richtige Fahrfreude stellt sich mit dem Passat nicht ein – aber Mittelklassekombis sind dazu eben einfach die falsche Wahl. Sie werden besonders für Geschäftsreisende gemacht, und die sollen überwiegend schnell von Kunde A zu Kunde B kommen. Mit dem 110-kW-TDI funktioniert das: 340 Newtonmeter Drehmoment, 8,9 Sekunden für den Normsprint und 218 km/h Maximaltempo sind mehr als anständige Werte. Der Normverbrauch liegt bei gerade mal 4,0 Liter, mit dem optionalen DSG sind es 0,4 Liter zusätzlich. Der Bordcomputer meldete beim Test mit 7,6 Liter dagegen eine deutlich höhere Zahl.

Der Biturbo, welcher stets mit Allradantrieb ausgeliefert wird, hat noch bessere Fahrleistungen, ist aber auch durstiger und knapp 9 000 Euro teurer. Gegenüber dem 110-kW-Diesel hat der Biturbo aber noch einen zusätzlichen Nachteil: Für die Verringerung der NOx-Emissionen besitzt er anstelle eines Speicherkats ein SCR-System. Dazu verwendet er das Additiv AdBlue, welches in einem 13-Liter-Tank mitgeführt wird. Der muss laut Volkswagen „nur alle 9.000 Kilometer nachgefüllt werden„. Das heißt, einige Fahrer werden jeden Monat nachfüllen müssen.

Das Fahrwerk des Testwagens war mit der optionalen Dämpfereinstellung DCC ausgestattet. Die Unterschiede zwischen den Modi „Sport“ und „Comfort“ sind aber gering. Bestenfalls bei langen Wellen kann man sie erahnen. Ansonsten ist der Passat angenehm abgestimmt. Die Lenkung und die Sechsgang-Schaltung sind ebenfalls befriedigend.

Es wird oft behauptet, Volkswagen wäre „inzwischen auch schon ganz schön teuer“. Doch in puncto Passat ist das nicht so. Der Variant mit 110-kW-TDI ist ab 31 325 Euro erhältlich. Das ist nicht zu viel, wenn man daran denkt, dass der vergleichbar motorisierte Peugeot 508 SW erst ab 32 400 Euro verfügbar ist, wenn auch in etwas besserer Ausstattung. Mit der VW-Basisversion Trendline kann man schon glücklich werden. Möglicherweise fehlende Elemente wie Nebelscheinwerfer, Tempomat, Handy-Anbindung oder Parkpiepser kann man einzeln dazu kaufen.

Motor und Antrieb VW Passat Variant 2.0 TDI (150 PS) 
Motorart Common-Rail-Turbodiesel mit NOx-Speicherkat
Zylinder 4
Ventile 4
Hubraum in ccm 1.968
Leistung in PS 150
Leistung in kW 110
bei U/min 3.500
Drehmoment in Nm 340
bei U/min 1.750
Antrieb Frontantrieb
Gänge 6
Getriebe Schaltung
Fahrwerk  
Lenkung elektromechanische Servolenkung, geschwindigkeitsabhängig geregelt
Maße und Gewichte  
Länge in mm 4.767
Breite in mm 1.832
Höhe in mm 1.477
Radstand in mm 2.791
Leergewicht in kg 1.505
Zuladung in kg 640
Kofferraumvolumen in Liter 650
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.780
Anhängelast, gebremst in kg 2.000
Tankinhalt in Liter 66
Fahrleistungen / Verbrauch  
Höchstgeschwindigkeit in km/h 218
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 8,9
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 4,0
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 4,7
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 3,6
CO2-Emission in g/km 106
Schadstoffklasse Euro 6