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Die Opelaner sind stolz auf ihr neues Top-Modell. Zu gerne wollen sie der zuletzt stark gebeutelten Marke ein dynamischeres, sportlicheres Ansehen verpassen. Die OPC-Modelle von Corsa, Insignia und demnächst Astra sind dafür ausnehmend prädestiniert. Die Opel-Fans warten schon seit Jahren auf einen legitimen Nachläufer für Manta und Calibra. Optisch wird der neue Super-Astra den hochgradigen Ansprüchen gerecht, der auf dem dreitürigen Astra GTC basierende OPC schindet Eindruck: breite Schürzen, kräftige Schweller und große Kühlöffnungen, die den Motor mit viel Frischluft beschenken. Das stämmige Hinterteil wird durch einen mächtigen Diffusor sowie zwei riesige Endrohre in Trapezform noch ausdrucksvoller. Veredelt wird der muskulöse Auftritt des 4,47 Meter langen und 2,02 Meter breiten Astra OPC durch die frei dazu wählbaren 20-Zoll-Räder, die für 1 000 Euro Aufpreis die serienmäßigen 19-Zöller ersetzen. Dass die kleinen Heckscheiben und die charakteristischen C-Säulen das Auto nach hinten mehr als unübersichtlich machen, wird letztendlich wohl die wenigsten Fahrer nachhaltig stören. Schließlich sind Parksensoren am Heck Serie. Ebenso die hohe Ladeschwelle für den Kofferraum (380 bis 1 165 Liter) dürfte nur in Ausnahmen vom Kauf abschrecken.

Unter der Haube des Astra OPC erledigt ein Zweiliter-Turbo mit Benzindirekteinspritzung seine Arbeit äußerst akkurat und gewährleistet sportlichen Vortrieb. Ab 2 500 Touren steht das Maximum an Drehmoment von 400 Newtonmeter zur Verfügung. 6,0 Sekunden verstreichen für den Spurt von null auf Tempo 100. Als Höchstgeschwindigkeit stehen nicht abgeregelte 250 km/h zur Verfügung. Dadurch liegt der Astra OPC auf Augenhöhe mit den dreitürigen Mitbewerbern VW Scirocco R und Renault Mégane R.S. Ausschmückt wird der Fahrspaß beim Opel von einem herrlichen Röhren aus der Sportabgasanlage. Lediglich bei entspannter Fahrweise könnte das klangreiche Brummen etwas zurückhaltender ausfallen. Denn nach einiger Zeit kann es etwas nerven. Das gilt ebenfalls für das laute Zischen des Turboladers, das immer dann zu hören ist, wenn man das Gaspedal voll durchtritt. Doch Opel-Fahrer wollen das genau so, haben Kundenumfragen ergeben. 8,1 Liter geben die Rüsselsheimer als durchschnittlichen Verbauch auf 100 Kilometer an, dadurch liegt der sportlichste Astra exakt auf dem Niveau des handgeschalteten Scirocco R. Den gibt es wie auch seinen Bruder Golf R auch mit einem Doppelkupplungsgetriebe. Beim OPC steht einzig eine manuelle Schaltbox zur Auswahl. Sie arbeitet genau, wie bei anderen Opel-Modellen müssen jedoch lange Schaltwege zurückgelegt werden.

Die Testfahrt fand auf nasser Fahrbahn statt. Vorbereitet auf eine Fahrt mit Traktionsproblemen und Schlittern dann die positive Überraschung: Kein Ausbrechen, keine durchdrehenden Räder – die 280 PS werden selbst unter Volllast beinahe problemlos auf die Vorderachse gestemmt. Sorgen tut dafür ein mechanisches Sperrdifferenzial. Beim Durchdrehen eines Vorderrades wirken zwei Lamellenpakete im Differenzial etwa wie wie eine Kupplung und setzen den unterschiedlichen Drehgeschwindigkeiten der Antriebsräder einen fest definierten Widerstand entgegen. In der Praxis klappt das einwandfrei. Auch das für Fronttriebler charakteristische Zerren an der Lenkung konnte auf ein Minimum reduziert werden. Förderlich dabei sind die so genannten HiPerStrut-Federbeine, welche die Lenkung von Antriebseinflüssen entkoppeln.

Dem Thema Fahrdynamik haben sich die Entwickler ausnehmend nachhaltig gewidmet. Der Astra OPC ist serienmäßig mit einem adaptiven Fahrwerk ausgestattet, welches drei unterschiedliche Einstellungen gestattet. Im Normalmodus liegt der kompakte Sportler zwar straff auf der Straße, bietet aber so viel Reisekomfort, dass sogar aus einer langen Tour keine Tortour wird. Durch Knopfdruck kann man in den Sport- oder in den OPC-Modus wechseln. Dann werden die Dämpfer weiter gestrafft, die Lenkung verhärtet und operiert noch direkter, parallel spricht das Gaspedal spontaner auf Befehle an. Kurven nimmt der Astra OPC auch bei erhöhten Geschwindigkeiten souverän. Das ESP ist so festgelegt, dass die Interventionen kaum zu spüren sind.

Das Cockpit zeigt sich anständig verarbeitet und mit einigen zusätzlichen Details. Höhepunkt sind die Schalensitze „OPC High Performance“, die für 1 995 Euro gekauft werden können. Sie geben einen Hauch Rennsport-Atmosphäre, sind mit Leder bezogen und bieten dank einstellbarer Wangen beinahe perfekte Passform für Oberkörper und Beine. Ferner sind die Sitze mit dem Gütesiegel AGR (Aktion Gesunder Rücken e.V.) ausgezeichnet. In der Mittelkonsole findet sich außer der Sport- und der OPC-Taste auch ein Eco-Knopf fürs Start-Stopp-System – mittlerweile selbst bei Sportmodellen keine Ausnahme mehr. Verfügbar ist der Opel Astra OPC ab 34 250 Euro.

Motor und Antrieb Opel Astra OPC 
Motorart Reihen-Ottomotor mit Benzindirekteinspritzung und Turboaufladung
Zylinder 4
Ventile 4
Hubraum in ccm 1.998
Leistung in PS 280
Leistung in kW 206
bei U/min 5.500
Drehmoment in Nm 400
bei U/min 2.500 bis 4.500
Antrieb Frontantrieb
Gänge 6
Getriebe Schaltgetriebe
Fahrwerk  
Spurweite vorn in mm 1.594
Spurweite hinten in mm 1.588
Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung miz HiPerStrut-Federbeinen
Radaufhängung hinten Verbundlenkerachse mit Watt-Gestänge
Bremsen vorn innenbelüftete und gelochte Scheiben
Bremsen hinten innenbelüftete und gelochte Scheiben
Wendekreis in m 11,4
Räder, Reifen vorn 245/40 R19, 8J x 19
Räder, Reifen hinten 245/40 R19, 8J x 19
Lenkung geschwindigkeitsabhängige Servolenkung
Maße und Gewichte  
Länge in mm 4.466
Breite in mm 2.020
Höhe in mm 1.482
Radstand in mm 2.695
Leergewicht in kg 1.550
Zuladung in kg 495
Kofferraumvolumen in Liter 380
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.165
Dachlast in kg 100
Tankinhalt in Liter 56
Kraftstoffart Super
Fahrleistungen / Verbrauch  
Höchstgeschwindigkeit in km/h 250
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 6,0
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 8,1
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 10,8
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 6,5
CO2-Emission in g/km 189
Schadstoffklasse Euro 5