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Schlagwort: Alessandro Massimino

Facelift für den Toyota Yaris als Hybridversion, der Test

vittavat/ fotolia

Der frisch vorgestellte, neue Aygo ist flippig wie fast kein Toyota, und der geliftete Yaris eifert ihm mit der neuen X-Optik hinterher. Möchte Toyota jetzt also schlagartig sein Image ändern? Von der konservativen Marke für Freunde von praktischen, sparsamen, aber eben auch etwas spießigen Autos hin zu Fahrzeugen für junge, dynamische Leute?

In rationaler Hinsicht war der Yaris schon immer eine Bank, aber Packaging, Werterhalt und günstige Betriebskosten sind nicht alles. Mit dem neuen Modell wollen wir deshalb nicht nur den Verstand unserer Kunden erreichen, sondern auch ihr Herz erobern„, äußerte sich der europäische Yaris-Produktmanager Alessandro Massimino. Ist das Marketing-Gewäsch? Nein, die äußere Optik des neuen Yaris offenbart die Veränderung. Das neue Design ist nicht ganz so entschieden wie beim kleinen Bruder Aygo, jedoch sehr viel dynamischer als bisher. Innen gibt es den Yaris jetztmit einem knallroten Armaturenbrett – aber den mutigen Farbtupfer wird es in Deutschland nicht geben. Kundenbefragungen hätten gezeigt, dass so etwas bei uns nicht erwünscht ist, so Toyota Deutschland. Die bestehende Kundschaft möchte man nicht verprellen, denn der Yaris ist mit knapp 20 000 Stück jährlich hierzulande das meistverkaufte Modell der Marke.

So präsentiert sich das Testmodell, ein belgischer Yaris Hybrid, innen eher trist: Schwarz, Grau und Blassblau überwiegen, poppige Farben oder Pianolack sucht man vergebens. Laut Toyota soll das deutsche Cockpit hingegen einheitlich schwarz sein. Das hinterschäumte Armaturenbrett der mittleren Ausstattungsversion beweist Verbesserungswillen bei der Haptik. Aber besonders an den Armauflagen in den Türen, wo man zahlreicher hinfasst als ans Armaturenbrett, klopfen die Fingernägel auf hartes, billiges Plastik. Auch die Kulisse des Automatikhebels wirkt wie aus den 80er-Jahren. Eine Komfortblinken-Funktion nach dem Motto „einmal antippen gleich dreimal blinken“ ist ebenfalls nicht vorhanden. Kurzum: Innen gibt es beim Yaris noch ein wenig Modernisierungsbedarf.

Das Fahrwerk soll optimiert und die Karosserie steifer geworden sein, doch fühlt sich bei Unebenheiten der Yaris immer noch ein wenig unbeholfen an. Und wenn man bei 70 km/h eine Ausweichbewegung simuliert, scheint der Wagen schwammig. Beim Antrieb soll die Bremsenergierückgewinnung jetzt effizienter arbeiten. Das Hybridsystem stammt im Prinzip aus dem Prius, fußt aber auf einem 1,5- statt einem 1,8-Liter-Benziner. Zusammen mit dem 45 kW starken Elektromotor und der maximal 19,3 kW abgebenden Nickel-Metallhydrid-Batterie ergibt sich eine Systemleistung von 73,55 kW, die über ein Planetengetriebe auf die Straße gebracht wird. Dadurch ist das Auto exakt so stark wie die Version mit 1,33-Liter-Benziner. 73,55 kW für einen Kleinwagen klingen nicht schlecht, doch Temperament haben beide Fahrzeuge kaum. Die gleichen Leistungswerte münden in nahezu identischen Beschleunigungswerten von 11,7 beziehungsweise 11,8 Sekunden. Subjektiv fährt sich der Hybrid ein wenig schwungvoller als der 1,33-Liter-Benziner, aber groß ist der Unterschied nicht.

Rein elektrisch lässt sich der Yaris kaum fahren, auch wenn man die EV-Taste zwischen den Sitzen drückt. Bereits bei einer minimalen Bewegung mit dem Gasfuß piepst es, und der Benziner geht an – der EV-Modus ist eher als Segelmodus zu interpretieren. Priorität hat bei Toyota eben der Spritverbrauch, so der Hersteller. Das ist einleuchtend, doch ob es die Kundschaft beglückt? Eventuell möchte der Besitzer auch gerne mal dem Nachbarn präsentieren, wie sein neues Auto völlig abgasfrei fährt.

Insgesamt ist der Yaris Hybrid eher etwas für Menschen, die gerne „smooth“ fahren, so wie die meisten Japaner. Sie lieben angeblich das sanfte Dahingleiten ohne dabei viel Gas zu geben und zu Bremsen mehr als das dynamische Beschleunigen. Dass Letzteres mit dem Yaris Hybrid so wenig Freude bereitet, liegt neben der mangelnden Power auch an der Akustik: Der Wagen stöhnt beim Gasgeben auf und bleibt lärmend, bis man das gewünschte Tempo erreicht hat – eine Besonderheit des Planetengetriebes. Dem ist wohl auch das Geräusch zuzuordnen, das der Hybrid beim Bremsen macht: Es klingt exakt so, wie wenn eine Straßenbahn zum Stehen kommt.

Auf der 45 Minuten langen Stadtrunde benötigte der Toyota 5,2 Liter je 100 Kilometer. Im Datenblatt stehen hingegen 3,3 Liter, für die Stadt gibt der Hersteller sogar 3,1 Liter an. Zumindest für Stadtbewohner stellt die Hybridvariante die Version mit den niedrigsten Spritkosten dar. Die anderen Benzinvarianten – es gibt noch einen 1,0-Liter-Dreizylinder und den bereits genannten 1,33-Liter mit 100 PS – haben 4,8 beziehungsweise 6,0 Liter Verbrauch. Die 4,6 Liter, die das Dieselmodell beanspruchen soll, führen ebenso zu höheren Kosten. Anders könnte es bei Autobahnfahrten aussehen, aber dazu werden Kleinwagen ja eher selten verwendet.

Den Hybrid erhält man ab 17 300 Euro. Wenn man bedenkt, dass der gleichsam starke Honda Jazz Hybrid erst ab 19 490 Euro heimgefahren werden darf, klingt das interessant. Für den Basispreis bekommt man die fünftürige Version – als Dreitürer wird der Hybrid nicht offeriert. Die fehlende Fernbedienung für die Zentralverriegelung sowie ein CD-Radio können im Paket für 450 Euro geordert werden. Oder man wählt gleich die Version Comfort für 18 400 Euro, die das Multimedia-System Toyota Touch 2 inklusive Rückfahrkamera mit an Bord hat. Die Hybridversion liegt dann auf demselben Niveau wie der Diesel-Yaris, während man mit dem 1,33-Liter-Benziner knapp 1 000 Euro günstiger wegkommt. Lohnt sich der Hybrid gegenüber dem preiswerteren 1,33-Liter-Benziner? Da 100 Kilometer beim Yaris 1.33 gegenwärtig etwa 7,44 Euro kosten, beim Yaris Hybrid aber nur 5,12 Euro, amortisiert sich der Mehrpreis bereits nach rund 43 000 Kilometern. Noch schneller geht es, wenn man vorzugsweise in der Stadt unterwegs ist. Doch auch analoge Diesel-Kleinwagen sind wirtschaftlich und kosten teils weniger. So gibt es einen Ford Fiesta 1.6 TDCi mit 95 PS und 3,6 Liter Verbrauch bereits ab 15 795 Euro.

Das Platzangebot im Fond des Yaris ist gut, auch Erwachsene bleiben noch ein paar Zentimeter Beinfreiheit und sie stoßen mit dem Kopf nicht an die Decke. Zu viert reist es sich aus diesem Grunde im Yaris also angenehm. Der Kofferraum gewährleistet nach wie vor 286 bis 786 Liter Volumen, wobei sich die größere Zahl ausschließlich auf fensterhohe Beladung bezieht – den herkömmlichen Wert für dachhohe Beladung hat Toyota weder beim alten noch beim neuen Modell angegeben.

Motor und Antrieb Toyota Yaris Hybrid 
Motorart benzinelektrischer, leistungsverzweigter Vollhybrid
Zylinder 4
Ventile 4
Hubraum in ccm 1.497
Drehmoment in Nm 111
bei U/min 3.800 – 4.400
Antrieb Frontantrieb
Getriebe Planetengetriebe
Maße und Gewichte  
Länge in mm 3.950
Breite in mm 1.695
Höhe in mm 1.510
Radstand in mm 2.510
Leergewicht in kg 1.160
Zuladung in kg 405
Kofferraumvolumen in Liter 268
Fahrleistungen / Verbrauch  
Höchstgeschwindigkeit in km/h 165
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 11,8
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 3,3
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 3,1
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 3,3
CO2-Emission in g/km 75
Schadstoffklasse Euro 6
Weitere Informationen  
Systemleistung 100 PS (74 kW)
Batterie Nickel-Metallhydrid, 144 V, 6,5 Ah, 19,3 kW