Björn Wylezich/ Fotolia

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In Deutsch­land besteht seit Ende 2010 eine strik­te Win­ter­rei­fen­pflicht. Bei Eis- und Schnee­glät­te müs­sen geeig­ne­te Rei­fen auf­ge­zo­gen sein, sonst droht ein Buß­geld. Zudem kann die Kas­ko­ver­si­che­rung bei einem Unfall die Regu­lie­rung ganz oder teil­wei­se ver­wei­gern. Damit wird aus der all­ge­mei­nen Emp­feh­lung, von O(ktober) bis O(stern) auf M+S-Reifen umzu­rüs­ten, im kom­men­den Win­ter erst­mals eine zwin­gen­de Not­wen­dig­keit. Als güns­ti­ge Alter­na­ti­ve zu neu­en Win­ter­rei­fen bie­ten sich Rund­erneu­er­te an, die ein­deu­tig preis­wer­ter ange­bo­ten wer­den. Im Ver­gleich zu neu­en Pneus kos­ten die Recy­cling-Rei­fen in der Regel weni­ger als die Hälf­te. Doch was tau­gen die Second-Hand-Gum­mis auf Schnee, Matsch und nas­ser Stra­ße wirklich?

trotz Defizite können Recycling-Reifen teilweise überzeugen

Rund­erneu­er­te M+S-Winterreifen kön­nen mit teils außer­or­dent­lich guten Fahr­ei­gen­schaf­ten auf ver­schnei­ter Fahr­bahn durch­aus über­zeu­gen, jedoch wenn die Stra­ße tro­cken oder nass ist, wer­den die Män­gel die­ser Rei­fen deut­lich spür­bar. Gera­de in punk­to Sicher­heit und Wirt­schaft­lich­keit wer­den gewis­se Defi­zi­te deut­lich spür­bar. Das ist das Ergeb­nis der Gesell­schaft für Tech­ni­sche Über­wa­chung (kurz: GTÜ) nach einem Test von Recy­cling-Rei­fen der Kate­go­rie M+S, deren Lauf­flä­chen und Sei­ten­wän­de indus­tri­ell erneu­ert wor­den sind. Die Prüf- und Sach­ver­stän­di­gen­or­ga­ni­sa­ti­on hat­te zusam­men mit dem Auto Club Euro­pa (ACE) drei unter­schied­li­che Pro­fi­le in der Dimen­si­on 19565 R15 der glei­chen Test­pro­ze­dur unter­zo­gen, wie sie bei aus­schließ­lich neu­en Win­ter­rei­fen üblich ist.

erhöhte Vorsicht geboten

Die Tes­ter von GTÜ und ACE bean­stan­de­ten bei tro­cke­ner bezie­hungs­wei­se nas­ser Fahr­bahn zum Bei­spiel einen um bis zu zehn Meter län­ge­ren Brems­weg im Ver­gleich zu gebräuch­li­chen Neu­rei­fen. Annehm­bar sind nach Mei­nung der Exper­ten sol­che Rei­fen nur für Fah­rer, die das Risi­ko eines ver­län­ger­ten Brems­wegs durch einen beson­ders vor­sich­ti­gen, mode­ra­ten Fahr­stil von vorn­her­ein zu kom­pen­sie­ren ver­ste­hen. Schlecht zuge­schrie­ben wur­de den Recy­cling-Rei­fen aber auch ein ungleich­ge­wich­ti­ges Fahr­ver­hal­ten und ein hoher Roll­wi­der­stand, der laut GTÜ die Sprit­kos­ten in die Höhe trei­ben und den Rei­fen­ver­schleiß deut­lich beschleu­ni­gen kann. Wer dies beim Rei­fen­kauf nicht berück­sich­tigt, ärgert sich unter Umstän­den, dass sich das erhoff­te Son­der­an­ge­bot ins Gegen­teil ver­kehrt. Posi­ti­ver Hoff­nungs­schim­mer: Beim so genann­ten Schnell­lauf­test – frü­her ein Man­ko bei den Rund­erneu­er­ten – zeig­ten sich die getes­te­ten Fabri­ka­te als voll tauglich.